1 2002

Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

   Wirtschaft und Wissenschaft

- -
   Transferbrief Leipzig
Von der Suche nach Schätzen oder der
Facilitymanagement - Gedanke
Bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein wurden die Immobilien in Europa nach den Erfordernissen des Tages errichtet, geplant und bewirtschaftet. In den USA war hingegen bereits seit Mitte der siebziger Jahre ein Prozess des Umdenkens eingeleitet. Unter Berücksichtigung der betriebswirtschaftlichen Auswirkungen wurde dort das Arbeitsplatzumfeld in einem Strategiekonzept in allen Bereichen der Planung und Bewirtschaftung von Gebäuden optimiert. Auslöser für diese Entwicklung waren tiefe Rezessionsspuren nach dem Vietnamkrieg. Die amerikanische Industrie litt unter dem Verlust von Marktanteilen auf dem heimischen Markt durch den zunehmenden Erfolg europäischer und japanischer Unternehmen. Da die Immobilien in der Kostenbilanz eines Unternehmens nach den Aufwendungen für das Personal im Regelfall den zweitgrößten Kostenblock darstellen, stand dieser ebenfalls im Focus der Sanierungsstrategie der amerikanischen Wirtschaft. Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts erreichte dieser Gedanke, die Anlagen (Facilities) einem kostenoptimierenden Management zu unterwerfen, auch die Vorstandsetagen von Unternehmen und Verwaltungen mit eigenen oder angemieteten Immobilien in Europa.
Bei der Analyse des Gedankens zeigt sich, dass dieser den Projektentwicklern, Investoren, Eigennutzern sowie Mietern einen deutlichen Kosten- und Ertragsvorteil verschafft. Dabei geht es nicht alleine darum, die Altverträge für die Bewirtschaftung zu kündigen, um nach harten Preisverhandlungen günstigere Ergebnisse für die Bewirtschaftung zu erlangen. Ziel des Prozesses ist vielmehr, durch strategische Maßnahmen eine höhere Arbeitsproduktivität, Kapitalrentabilität und Nutzungsflexibilität zu erreichen. Je nach Stand eines Projektes ist der Einfluss auf die Herstellungs- und
Bewirtschaftungskosten unterschiedlich groß. Die größte Wirkung hat der

Ausstattungsmerkmale moderner Bürogebäude
Facilitymanagement-Gedanke natürlich zu Beginn eines Projektes, weil hier mit den geringsten Mitteln die Belange aus der Bewirtschaftung, Nutzung und Vermarktung eines Gebäudes ohne Generierungskosten berücksichtigt werden können. Es ist auffällig, dass es im Gegensatz zu Produkten aus der Konsumbranche kaum Untersuchungen gibt, die die Meinung und Einschätzung des Nutzers oder Investors zu einer Immobilie widerspiegeln. Über Trends in Architektur, Gestaltung und baulicher Konzeption lassen sich meterweise Bücherschränke füllen. Doch bei der Immobilienentwicklung stand der Kunde „Nutzer/Mieter“ bisher weitgehend im Abseits. Untersuchungen, wie die der Dresdner Bank Immobiliengruppe aus dem Jahr 1999 über die Kundenwünsche zu Ausstattungsmerkmalen moderner Bürogebäude, sind äußerst selten.
Im Lebenszyklus einer Immobilie kann daher der Facilitymanagement-Gedanke in unterschiedlichster Weise in die einzelnen Zyklusphasen implementiert werden. Der Hauptgedanke - die Bedürfnisse und Interessen von Investoren wie Nutzern in allen Gestehungsphasen einer Immobilie einzubeziehen - bedingt, dass zu jeder Zeit alle an der Entwicklung, Vermarktung und Bewirtschaftung von Immobilien involvierten Fach- und Sachkompetenzen unter
Berücksichtigung eines mittelfristigen Strategiekonzeptes mitwirken. Im Wesentlichen ist dies ein Feedback-Prozess aus dem Erfahrungsschatz der Betreibungs- aber auch der Projektentwicklungsphase in die Gestehungsphase. Dabei sind Kostenoptimierung und Kundenzufriedenheit gewichtige Einflussfaktoren. So sollten in den Feedback-Prozess einbezogen werden:

-  Erfahrungen aus dem Betreiben      einer Immobilie
-  Erfahrungen aus den    
   Vermarktungserfolgen einer 
   Immobilie unter Einbeziehung
   der marktrelevanten Daten
-  Interessen und Akzeptanz der
   Nutzer
-  Interessen und Akzeptanz der    
   Investoren
-  Ergebnisse aus der   
   Betriebskostenanalyse und
   Optimierung
-  Optimierung der Herstell- und
   Bewirtschaftungskosten pro
   Arbeitsplatz

Hierunter sind in erster Linie die für den jeweiligen Interessenträger maßgeblichen Faktoren zu untersuchen, die die Effektivität bzw. Wertschöpfung nachhaltig tangieren.


                      
Fortsetzung auf Seite 7