1 2004

Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

   Wirtschaft und Wissenschaft

- -
   Transferbrief Leipzig
Verfahren zur Abscheidung von Tetramethylsucchinodimitril
aus der Abluft von Kunststoffverarbeitungsmaschinen

Einführung
Bei der Verarbeitung von Kunststoffen in Extrudern treten in den Abluftleitungen zum Teil beträchtliche Ablagerungen auf, die zu empfindlichen Störungen des Extrusionsprozesses und daraus resul-tierend zu erhöhten Wartungsaufwen-dungen und damit verbundenen Still-standszeiten führen können. Im Rahmen
eines von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungseinrichtungen e.V. (AiF) geförderten Kooperationspro-jektes der HTWK Leipzig und der Firmen Barlo Plastics Nischwitz GmbH und UGT 2000 GmbH bestand die Zielstellung, diese Ablagerungen näher zu untersu-chen und ein geeignetes Verfahrens zur Abscheidung dieser Substanz unmittel-bar vor dem eigentlichen Abluftreinigungs-system zu entwickeln. Als Hauptkompo-nente der Ablagerungen im Abluftreini-gungssystem konnte die hochtoxische Substanz Tetramethylsuccinodinitril Ver-suchsanlage zur TMSN-Abscheidung

(TMSN) identifiziert werden, deren Ent-stehung durch die Verwendung des Initiators 2,2'-Azobis(isobutyronitril) (AIBN) beim Polymerisationsprozess hervorgerufen wird. AIBN wird bei zahlreichen Kunststoffen, wie z. B. Polymethylmethacrylat, Polyvinylchlo- rid oder in Styrolpolymerisaten, zum Starten der Polymerisation eingesetzt, wobei neben der Radikalbildung in einer Nebenreaktion TMSN entsteht. Dieses Nebenprodukt wird in die Kunststoff matrix eingelagert und bei der weiteren Verarbeitung der Kunst-stoffe teilweise über die Abluft wieder freigesetzt. Da eine Stoffeigenschaft dieser Substanz die Desublimation unter Normaldruck bei 172°C ist, kristallisiert das TMSN insbesondere in den kühleren Bereichen der Abluftleitungen und bildet zusammen mit verschiedenen Kondensationspro-dukten breiartige Ablagerungen.

Stoffeigenschaften von
Tetramethylsuccinodinitril.

Laut TRGS 900 beträgt der zulässige volumenbezogene Grenzwert für TMSN in der Luft 0,5 ml/m3 und der massenbezogene Grenzwert 2,8 mg/m3. Vergleichsweise da-zu ist der volumenbezogene MAK-Wert für Blausäure in der Luft mit 10 ml/m3 20 mal höher. Diese Zahlen veranschaulichen die Toxizität und das Gefährdungspotenzial von Tetramethylsuccinodinitril. Diese Substanz ruft besonders starke akute Vergiftungs-erscheinungen hervor, die mit der Wirkung eines zentralen Krampfgiftes vergleichbar sind. Gefährdungen bestehen insbesondere bei der Kunststoffverarbeitung durch die TMSN-Freisetzung in die Abluft und durch den direkten Kontakt mitTMSN-Kristallen bei der Reinigung der Abluftleitungen. Dagegen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Gefährdungen durch den direkten Kontakt mit Kunststoffen, z. B. bei Lebens-mitteln, auf Grund des geringen Migrations-verhaltens des TMSN vernachlässigbar sind.

Analytik
Unter Verwendung der Analysenverfahren Elementaranalyse, IR-Spektroskopie und Thermoanalyse konnten die bei der Herstellung von Kunststoffplatten aus Poly-methylmethacrylat (PMMA) abgeschiedenen Kristalle im Abluftreinigungssystem einer Extrusionsanlage eindeutig als TMSN identifi-ziert werden. Für die Bearbeitung des Themas war die Nutzung geeigneter Analy-senverfahren zum Nachweis des TMSN in der Abluft und in Lösungsmitteln eine notwendige Voraussetzung. Hierfür konnte ein gaschro-matografisches Analysenver-fahren unter Verwendung eines Flammen-ionisationsdetektors (GC-FID) entwickelt werden. Weiterhin erfolgte in Zusammen-arbeit mit dem Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH die Entwicklung eines Messverfahrens zur quantitativen Analyse von TMSN-Bestandteilen in Polymer-granulaten mittels Gaschro-matografie in Verbindung mit Massenspektr-oskopie (GC-MS) sowie mit einem FID.
In Granulaten eines kautschukmodifizierten
Polymethylmethacrylates konnten mit die-sem Messverfahren TMSN-Anteile zwischen
225 mg/kg und 360 mg/kg nachgewiesen werden.


 

Versuchsanlage zur TMS-Abscheidung

6

Wirtschaft und Wissenschaft     Transferbrief Leipzig 1 2004