1 2006

Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

   Wirtschaft und Wissenschaft

- -
   Transferbrief Leipzig
 

Einsatz mobiler Lern- und Analyse-Programme zur Verbesserung
des Disease-Managements von Patienten mit chronischen Erkrankungen

Die Häufigkeit von Volkskrankheiten, wie Diabetes mellitus, Übergewicht oder Bluthochdruck ist stetig steigend. Dieser Entwicklung ist nur mit breit einsetzbaren und kostengünstigen, bereits auf die Prävention zielenden Strategien zu begegnen. Spätkomplikationen dieser Erkrankungen führen zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität dieser Patienten und machen einen großen Teil der Kosten des Gesundheitswesens aus. Auf der anderen Seite gibt es weniger verbreitete Erkrankungen, für die es auch innerhalb unseres Gesundheitswesens geringe Schulungsangebote gibt.
Nur ein gut informierter Patient ist in der Lage, den Sinn der durch den Arzt vorgeschlagenen Therapiemaßnahmen zu verstehen und selbst motiviert und erfolgreich mit seiner chronischen Erkrankung umzugehen. Um den Patienten dazu zu befähigen, bedarf es einer regelmäßigen Wiederholung des Erlernten. Um die Auffrischung des Wissens zu erreichen und damit der Vergessensrate entgegenzuwirken, sind  computerbasierte Schulungsprogramme ein gutes Werkzeug.
So kann eine derartige Software virtuelle Umgebungen simulieren, die es dem Patienten erlauben, sein Verhalten im Umgang mit der eigenen Erkrankung und mit der eigenen Gesundheitsvorsorge auf eine »sichere« Art und Weise spielerisch zu üben. Computerbasierte Patienten-schulungen können in verschiedenen Einsatzgebieten zu einem besseren Erkrankungsverlauf führen und haben dadurch einen nachgewiesenen Einfluss auf die Verbesserung der Lebensqualität. Zwar wird diese Aussage durch zahlreiche Studien untermauert und mittlerweile allgemein als Tatsache anerkannt, jedoch setzt sich dieses Bewusstsein nur langsam in der Realität des deutschen Gesundheitswesens durch. Evaluierungen dieser neuen Schulungsmethoden sind daher ein wichtiger Faktor zur Weiterentwicklung, Verbreitung und Akzeptanz von computerbasierten Patientenschulungen. Von der Arbeits-gruppe Medizinische Lern- und Infor-mationssysteme der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Leipzig wurden bereits seit 1996 mehrere computerbasierte, interaktive, multimediale Lernanwendungen für die individuelle Schulung  erstellt  und  wissenschaftlich evaluiert. Ein Beispiel hierfür ist der »Baukasten für gesunde Ernährung«, der unter  anderem  das  Zusammenstellen

eines Tagesplanes mit Hilfe eines abgebildeten Tellers simuliert und die-sen auswertet. Als Ergeb-nis der Evaluierung zeigte sich, dass der Brotein-heiten- und kcal Gehalt von Nahrungsmitteln unter-schätzt wird. Durch mehrmaliges Absolvieren der interaktiven Übungen konnte die Einschätzung des richtigen Brotein-heiten- und kcal Gehalts verbessert werden. Im Hypoglykämie Schulungs-programm nimmt der Patient eine simulierte Unterzuckerungssituation ein. Patienten, die das adaptive Schulungspro-gramm nutzten, benöti-gten weniger Aktionen, um eine Hypoglykämie zu beseitigen oder diese im Vorfeld zu vermeiden. Im Schulungsprogramm  für  die Getreideunverträglich-

 

Maßgeschneiderte Software für chronisch Kranke macht´s
möglich: Mobiles Lernen mit dem PDA

keit Zöliakie werden alltägliche Situa- tionen, wie Einkaufen, Essen im  Restaurant  etc. virtuellnachgebildet. Die Probanden lernten mit diesem PC Programm mehr als mit schriftlicher Schulung und behielten das angeeigneteWissen über einen längeren Zeitraum. Die Umsetzung des Gelernten in praktische Anwendung ist mit dem PC Programm größer als mit schriftlicher Schulung.
Um die Patienten optimal in ihrem alltäglichen Leben zu unterstützen, auch wenn sie nicht an ihrem PC sitzen, ist die Entwicklung von Schulungs- und Analyse-Anwendungen für die als PDAs bezeichneten Handcomputer die konse- quente Fortführung dieser Ergebnisse. Im Rahmen eines durch Exist-Seed (BMBF/ ESF) geförderten Projekts konnte die Konzeption und Umsetzung solcher PDA Anwendungen forciert werden.
Neben Schulungsanwendungen für chronische Erkrankungen entsteht derzeit ein Ernährungsanalysetool (für PDA und Internet), welches sich dadurch auszeichnet, dass einzelne Lebensmittel oder Nahrungsbestandteile bei der Auswertung und Empfehlung ausgewählt und weggelassen werden können.

 

 

Erstmalig können mit dieser Anwendung auch Allergiker und Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten eine derartige Anwendung nutzen und Vorschläge für eine individuell ausgeglichene Ernährung erhalten.Derzeit wird die für April geplante Gründung eines Unternehmens aus der Arbeitsgruppe am Leipziger Universitäts-klinikum vorbereitet, das sich auf die Entwicklung von Patientenschulungs- und Gesundheitsinformationssoftware spezialisiert und diese PDA-Software weiterentwickeln und veröffentlichen wird.

Kontakt:
Kirsten Meyer & Stoffen Sülzle
Stöckelstraße 50
04347 Leipzig
Telefon: (0341)2348009
Fax: (0341)2348010
e-mail: suelzle@gmx.de
Betreuung:
Universität Leipzig
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Dr. Ralf Paschke
Philipp-Rosenthal-Straße 27
04103 Leipzig

 


Wirtschaft und Wissenschaft 
Transferbrief Leipzig 1 2006

9