
Kerzengerade, mit nach vorne gestreckten Armen
und geschlossenen Augen steht der Proband auf der Glasplatte einer digitalen |
Personenwaage. Hochkonzentriert
versucht er in den kommenden 45 Sekunden Balance zu halten. Bewegt er sich mit dem
Oberkörper nureinen Millimeter zur Seite, springtauf einem angeschlossenen Monitor ein
kleiner gelber Punkt im Koordinatensystem umher. Dahinter verbirgt sich ein am Institut
für Arbeits- und Sozialmedizin entwickeltes Meßsystem aus modifizierter digitaler
Personenwaage und Computer, mit dem erstmals Gleichgewichtsstörungen objektiv gemessen
werden können. Die bisher üblichen Methoden, etwa der häufig angewendete Rombergsche
Stehversuch aus dem 19. Jahrhundert, setzen einen erfahrenen Arzt und gute
Beobachtungsgabe voraus. »Unser System ist einfach handhabbar, für die Praxis gedacht,
und die Ergebnisse liegen sofort auf dem Tisch«, sagt Professor Gert Schreinicke,
Direktor des Institutes. Sein Mitarbeiter, Dr. Bernhard Hüber, erläutert wei- |
ter, »dass
eine handelsübliche digitale Personenwaage mit geringen Veränderungen eingesetzt werden
kann, das A und O jedoch in dem computergestützten Auswertungsprogramm liegt. Pro Minute
werden 700 Messwerte erfasst, die zu einem Gesamtwert verrechnet und als Grafik
dargestellt werden. Hat der Patient eine Störung des Gleichgewichtssinns im Innenohr,
wird das für den Mediziner auf einen Blick deutlich.« Nach einer zweijährigen
Entwicklungs- und Testphase befindet sich das Gerät jetzt bei verschiedenen Anwendern im
Praxistest.
Prof. Dr. Gert Schreinicke
Universität Leipzig
Institut für Arbeits- und Sozialmedizin
Riemannstraße 32, 04107 Leipzig
Telefon: (0341) 97-15400
Fax: (0341)97-15409
e-mail: schrg@medizin.uni-leipzig.de |

Arbeitsräume des Zentrums für BioinformatikIm Reclamcarree in der Inselstraße wurde am 7. Juni das neue
Interdisziplinäre Zentrum für Bioinformatik (IZBI) der Universität Leipzig eröffnet.
Gegenwärtig arbeiten dort 13 Informatiker, Biologen und Physiker. Ermöglicht wurde die
Gründung des Zentrums durch den Gewinn eines 1999 von der DFG ausgeschriebenen
Wettbewerbs zur weiteren Entwicklung der Bioinformatik in Forschung und Lehre. Aus 31
Anträgen wurden fünf Standorte ausgewählt, darunter die Universität Leipzig. Die
Förderung beträgt zunächst 1,5 Millionen Euro für zwei Jahre, bei erfolgreicher
Evaluation wird sie um drei Jahre verlängert. Bis dahin möchte man sich weitgehend auf
eigene Füße gestellt haben, insbesondere durch Drittmittel-einwerbung. |
Die Forschungsstätte ist kein Institut im klassischen Sinne, sondern sie hat
eine flexible Struktur. Je nach Art des Projektes werden interdisziplinäre Arbeitsgruppen
zusammengestellt. Den Wissenschaftlern steht eine leistungsfähige, moderne Ausstattung
zur Verfügung.
Beim Eröffnungssymposium stellte der
Ko-ordinator des Zentrums, Professor Löffler, eine Reihe der künftigen Forschungsfelder
vor. Im Mittelpunkt stehen biowissenschaftliche Fragestellungen, zu denen die Informatik
einen Beitrag leisten kann. So wird sich das IZBI dem Thema der genetischen Evolution
zuwenden: der Evolution der RNA in artifiziellen Reaktorsystemen, der Evolution von human-
und tierpathogenen Viren, der Evolution von Amphibien in Ökosystemen. Und man wird sich
mit der Verbreitung von Krankheitsdispositionsgenen in menschlichen Populationen
beschäftigen. Hierbei werden Verfahren der Sequenzanalyse und der modellbasierten
Simulation von Evolution zum Einsatz kommen. In einem weiteren Themengebiet widmet sich
das Zentrum der zellulären Signaltransduk-tion. Dieser Fragestellung liegt das Phänomen
zu Grunde, dass in der aktiven Zelle tausende von molekularen Maschinen Hand in Hand
arbeiten. Eine weitere Aufgabe beschäftigt sich mit |
der räumlichen und zeitlichen Organisation von Geweben. Beispielsweise wird das
Wachstum von Tumoren mit Millionen von Zellen im Computer simuliert. Es können so
Faktoren der Aggressivität des Tumorwachstums eingegrenzt werden. Ähnliche Simulationen
werden auch für die Darmschleimhaut durchgeführt. Änderungen der
Zell-Zell-Wechselwirkung können zu Darmpolypen, einer Variante des Darmkrebses, führen.
Diese Forschungsschwerpunkte ergänzen das Profil der am
Biotechnologisch-Biomedi-zinischen Zentrum - BioCity im Aufbau befindlichen universitären
Arbeitsgruppen und Biotech Firmen. Das IZBI trägt somit als weiterer Baustein zum Aufbau
des Leipziger Standortes für Biotechnologie bei.
Dr. Hans Binder Universität Leipzig Interdisziplinäres
Zentrum für Bioinformatik Kreuzstraße 7b 04103 Leipzig Telefon: (0341) 14951-11 Fax:
(0341) 14951-19 e-mail: kontakt@izbi.uni-leipzig.de Internet: www.izbi.uni-leipzig.de |