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   Transferbrief Leipzig
Die Erinnerung kommt per Funk

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Es ist 8 Uhr morgens. Ute Unwirklich müsste eigentlich ihre Herztabletten einnehmen. Doch daran denkt sie nicht - bis ihr PMA piept und vibriert. Zwei Stunden später steht der Zahnarzt-Besuch an. Gut, dass der PMA rechtzeitig die Meldung »Termin beim Zahnarzt« ausgibt - das hätte Frau Unwirklich sonst glatt vergessen. Noch ist das am Institut für Informatik unter Leitung von Professor Klaus Irmscher entwickelte mobile Gedächtnishilfesystem für Patienten mit Hirnschädigungen »MEMOS« Zukunftsmusik. Der Startschuss fiel 1998. Die Idee hatten zwei Neuropsychologen der Leipziger Uni-Tagesklinik für kognitive Neu-rologie, Dr. Angelika Thöne-Otto und Professor Yves von Cramon. PMA lautet das Kürzel für das »MEMOS«-Mobilgerät. Die drei Buchstaben stehen für Personal Memory Assistant, den persönlichen Gedächtnis-Assistenten. Die Bezeichnung ist angelehnt an PDA, Personal Digital Assistant - also Geräte, die man im Elektronik-Prospekt unter »Organizer«, »Handheld«, »Palmtop« oder ähnlichen Namen findet. Sie sind klein wie eine Handfläche und bieten ein elektronisches Gehirn - das allerdings vom Menschen mit Informationen gefüttert werden muss. Genau da setzt »MEMOS« an. »Die Bedienung kommerzieller elektronischer Systeme ist für die Patienten mit Gedächtnisstörungen, die zum Beispiel aus einem Schlaganfall oder einem Schädelhirntrauma resultieren, oft nicht erlernbar«, weiß Diplom-Informatiker Hendrik Schulze. »Unsere primäre Zielgruppe besteht dabei aus jenen Menschen, deren prospektives Gedächtnis geschädigt ist.« Das ist das Gedächtnis, das


Hendrik Schulze auf der CeBIT

nach vorne blickt, also beispielsweise für die Erinnerung an Termine zuständig ist. Diesen Menschen soll also ein Gerät zur Verfügung gestellt werden, das sie an all das erinnert, was sie sonst zu tun vergessen würden - und ihnen überdies Informationen für die Erfüllung der Aufgaben gibt. Eine »kognitive Prothese«, wie Hendrik Schulze es nennt. Die nötigen Informationen für das Mobilgerät kommen per Funk, das System wird gespeist von autorisierten Personen. »Das können Ärzte sein, Betreuer und Verwandte«, sagt Schulze. Nicht jeder darf dabei alles, schließlich sollte es wirklich dem Arzt vorbehalten bleiben, über die Anwendung von Tabletten zu entscheiden. Dem Ehemann dürfte es reichen, seine Frau an die Einkäufe zu erinnern. Wobei er auch die Einkaufsliste auf den PMA laden kann. Die

Patienten können wiederum zum Beispiel ihre Tabletteneinnahme bestätigen - geschieht das nicht, erfahren die Betreuer, dass etwas nicht stimmt. Die Interaktion der Eingabeberechtigten mit dem Basissystem erfolgt über einen Internet-Browser. PMA und Basissystem kommunizieren über ein eingebautes Mobiltelefon. Das System ist selbstredend in der Lage, die Eingaben verschiedener Betreuer zu koordinieren und so Terminüberschneidungen zu verhindern. In Notfallsituationen kann der Patient per Telefon schnellstens Kontakt zu einem Betreuer aufnehmen. Das Ganze ist damit interaktiv, hilft dem Patienten und mindert den Betreuungsaufwand - in der Theorie. Denn die richtige Realisierung steht noch aus. Wobei die Funktionsfähigkeit längst nachgewiesen ist. Davon hat Hendrik Schulze auch die CeBIT-Besucher in Halle 11 überzeugt, mit Hilfe eines PMA-Prototyps, den eine mittelständische sächsische Firma den Uni-Informatikern hergestellt hat.

Doch um eine größere Zielgruppe versorgen zu können, wird der Übergang auf handelsübliche Organizer notwendig werden. Während hier noch nach einem Hersteller gesucht wird, läuft in Kürze die Testphase mit Feldversuchen an, die bislang nicht möglich waren. »Erste Erfahrungen mit Patienten wollen wir ab Herbst mit Hilfe eines Handys mitTouchscreen machen. Die neuropsycho-logische Welt schaut auf uns, alle wollen es ausprobieren.« Mit der »Zielarchitektur« rechnet Schulze zum Jahresende.

 


Bedienoberfläche des PMA

 

Prof. Dr. Klaus Irmscher, Universität Leipzig
Institut für Informatik
Augustusplatz 10/11
04109 Leipzig
Telefon: (0341) 9732270
Fax: (0341)9732289
e-mail: irmscher@informatik.uni-leipzig.de
Internet: rnvs.Informatik.uni-leipzig.de/~memos

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