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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
High-Tech fürs Ohr

Dass die Zeiten des Hörrohrs vorbei sind, weiß jeder. Wie unglaublich klein, leicht und dabei leistungsfähig moderne Hörgeräte inzwischen sind, wissen aber nur wenige. Menschen mit Hörproblemen können sich freuen: Nie zuvor konnte ihnen so gut geholfen werden wie jetzt. Die rasante Entwicklung in der Technologie hat sich enorm auf Hörsysteme ausgewirkt. Die aktuellen Geräte sind so groß wie ein Fingernagel, wiegen kaum mehr als ein Gramm und bieten dennoch ausgefeilte Computertechnik. Etwa zwei Drittel der Schwerhörigen werden heute mit Hinter-dem-Ohr-(HdO-)Geräten versorgt. Diese Geräte werden direkt hinter den Ohren getragen. Mit HdO-Geräten können leichte bis schwere Hörverluste versorgt werden. Sie werden in allen Farben angeboten. Man kann Geräte mit oder ohne Fernsteuerung bekommen. Mit der Fernbedienung kann man die Lautstärke oder - je nach Gerät- auch verschiedene Programme einstellen, zum Beispiel »Straßenlärm«, »ruhige Umgebung« oder »hallender Raum«. Dadurch können sich die Geräte besser an die jeweilige Hörsituation anpassen. Man kann HdO-Geräte auch in einen oder beide Brillenbügel integrieren und spricht dann von einer Hörbrille.

Beim Im-Ohr-Gerät ist die gesamte Technik in einer individuell angefertigen Schale untergebracht, die im Ohr getragen wird. Es ist für leichte bis mittlere Hörverluste geeignet. Diese Geräte sind besonders klein und unauffällig. Sie werden in der Ohrmuschel getragen oder verschwinden ganz im Gehörgang. Viele Menschen, die sich bisher nicht mit Hörgeräten anfreunden konnten, entscheiden sich begeistert für die nahezu unsichtbaren Im-Ohr-Geräte. Häufig befinden sich kleine Lautstärkeregler am Im-Ohr-Gerät, die während des Tragens verstellt werden können. Diese Geräte werden aber auch mit Fernbedienung angeboten. Viele Hörgeräte sind heute digital programmierbar. Die individuellen Daten zur Hörstörung eines jeden Patienten werden im Computer gespeichert, können jederzeit abgerufen oder korrigiert werden. Diese Technik erlaubt viele unterschiedliche Hörpro-gramme, die über eine Fernbedienung eingestellt werden.

Vollautomatische Hörgeräte reagieren über Mikro-Chips.diedem individuellen Hörscha-den entsprechend programmiert sind,


Wer gut hört, hat mehr vom Leben

automatisch auf den einfallenden Schall. Sie verstärken leise und hohe Töne mehr als laute und tiefe. Dadurch werden die meist leiseren Konsonanten besser verstanden und damit das Sprachverstehen verbessert. Vollautomatische Geräte kommen dem Wunsch vieler Hörgeschädigten nach, ohne ein Programm einstellen zu müssen, in unterschiedlichen Hörsituationen möglichst gut zu hören. Vor einigen Jahren kamen die ersten volldigitalen Hörgeräte auf den Markt. Diese Geräte verfügen über eine digitale Spracherkennung, wodurch bei der Verstärkung besser zwischen Sprache und Hintergrundgeräusch unterschieden werden kann. Ein Anti-Feedback-Prozessor soll die akustische Rückkopplung (Pfeifen) verhindern. Volldigitale Hörgeräte werden als Im-Ohr-und als HdO-Geräte angeboten. Für alle Hörsysteme gilt: Je früher sie angepasst werden, desto leichter fällt die Gewöhnung an die neue Hörsituation und an die Bedienung der Geräte. Bei beidseitiger Hörminderung ist immer die Versorgung beider Ohren anzustreben. So wird Sprache -vor allem bei Störgeräuschen - besser verstanden und die räumliche Orientierung ist einfacher.

Grundvoraussetzung für eine befriedigende Hörgeräte-Versorgung ist eine realistische Einstellung dazu. So wünschen sich viele ein Hörvermögen, das genauso gut ist, wie ihr Gehör früher einmal war. Tatsächlich ermöglichen die neuen technischen Entwicklungen Hörerlebnisse, an die noch vor wenigen Jahren nicht zu denken war. Dennoch muss man sich bewusst machen, dass die Möglichkeiten eines gesunden Gehörs so enorm sind, dass sie mit Hörgeräten wahrscheinlich immer nur annähernd erreicht werden können.

Hörgeräte werden vom HNO-Arzt verordnet und vom Hörakustiker mit viel Feingefühl


In unserer visuell orientierten Welt wird die Bedeutung des Hörsinnes häufig unterschätzt.

und modernster Computertechnik angepasst. Sämtliche Dienstleistungen des Hör-akustikers inklusive einer jahrelangen Nachsorge und Gerätewartung sind mit dem Kaufpreis der Hörgeräte abgegolten. Die ' gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei ärztlich verordneten Hörgeräten eine bestimmte Summe, den »Festbetrag«. Ertaubte oder gehörlose Menschen, die von Hörgeräten nicht mehr profitieren können, können fast immer mit einem Cochlear Implant versorgt werden. Voraussetzung hierfür ist ein intakter Hörnerv. Die elektronische Innenohrprothese wird bei einer Operation eingesetzt. Gehörlose Menschen sind dann - nach einem Hörtraining - wieder in der Lage, Sprache zu verstehen. Je kürzer die Zeit der Ertaubung war, desto besser sind die Ergebnisse. Es liegen auch gute Erfahrungen mit der Versorgung taub geborener und ertaubter Kinder vor.

 

 

 

Dr. Karin Uphoff
Fördergemeinschaft Cutes Hören
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon: (06421) 2936-0
Fax: (06421)2936-60
Internet: www.fgh-gutes-hoeren.de

Transferbrief Leipzig 2/2002

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