Dass die
Zeiten des Hörrohrs vorbei sind, weiß jeder. Wie unglaublich klein, leicht und dabei
leistungsfähig moderne Hörgeräte inzwischen sind, wissen aber nur wenige. Menschen mit
Hörproblemen können sich freuen: Nie zuvor konnte ihnen so gut geholfen werden wie
jetzt. Die rasante Entwicklung in der Technologie hat sich enorm auf Hörsysteme
ausgewirkt. Die aktuellen Geräte sind so groß wie ein Fingernagel, wiegen kaum mehr als
ein Gramm und bieten dennoch ausgefeilte Computertechnik. Etwa zwei Drittel der
Schwerhörigen werden heute mit Hinter-dem-Ohr-(HdO-)Geräten versorgt. Diese Geräte
werden direkt hinter den Ohren getragen. Mit HdO-Geräten können leichte bis schwere
Hörverluste versorgt werden. Sie werden in allen Farben angeboten. Man kann Geräte mit
oder ohne Fernsteuerung bekommen. Mit der Fernbedienung kann man die Lautstärke oder - je
nach Gerät- auch verschiedene Programme einstellen, zum Beispiel »Straßenlärm«,
»ruhige Umgebung« oder »hallender Raum«. Dadurch können sich die Geräte besser an
die jeweilige Hörsituation anpassen. Man kann HdO-Geräte auch in einen oder beide
Brillenbügel integrieren und spricht dann von einer Hörbrille.
Beim Im-Ohr-Gerät ist die gesamte Technik
in einer individuell angefertigen Schale untergebracht, die im Ohr getragen wird. Es ist
für leichte bis mittlere Hörverluste geeignet. Diese Geräte sind besonders klein und
unauffällig. Sie werden in der Ohrmuschel getragen oder verschwinden ganz im Gehörgang.
Viele Menschen, die sich bisher nicht mit Hörgeräten anfreunden konnten, entscheiden
sich begeistert für die nahezu unsichtbaren Im-Ohr-Geräte. Häufig befinden sich kleine
Lautstärkeregler am Im-Ohr-Gerät, die während des Tragens verstellt werden können.
Diese Geräte werden aber auch mit Fernbedienung angeboten. Viele Hörgeräte sind heute
digital programmierbar. Die individuellen Daten zur Hörstörung eines jeden Patienten
werden im Computer gespeichert, können jederzeit abgerufen oder korrigiert werden. Diese
Technik erlaubt viele unterschiedliche Hörpro-gramme, die über eine Fernbedienung
eingestellt werden.
Vollautomatische Hörgeräte reagieren
über Mikro-Chips.diedem individuellen Hörscha-den entsprechend programmiert sind, |

Wer gut hört, hat mehr vom Lebenautomatisch auf den einfallenden Schall. Sie
verstärken leise und hohe Töne mehr als laute und tiefe. Dadurch werden die meist
leiseren Konsonanten besser verstanden und damit das Sprachverstehen verbessert.
Vollautomatische Geräte kommen dem Wunsch vieler Hörgeschädigten nach, ohne ein
Programm einstellen zu müssen, in unterschiedlichen Hörsituationen möglichst gut zu
hören. Vor einigen Jahren kamen die ersten volldigitalen Hörgeräte auf den Markt. Diese
Geräte verfügen über eine digitale Spracherkennung, wodurch bei der Verstärkung besser
zwischen Sprache und Hintergrundgeräusch unterschieden werden kann. Ein
Anti-Feedback-Prozessor soll die akustische Rückkopplung (Pfeifen) verhindern.
Volldigitale Hörgeräte werden als Im-Ohr-und als HdO-Geräte angeboten. Für alle
Hörsysteme gilt: Je früher sie angepasst werden, desto leichter fällt die Gewöhnung an
die neue Hörsituation und an die Bedienung der Geräte. Bei beidseitiger Hörminderung
ist immer die Versorgung beider Ohren anzustreben. So wird Sprache -vor allem bei
Störgeräuschen - besser verstanden und die räumliche Orientierung ist einfacher.
Grundvoraussetzung für eine befriedigende
Hörgeräte-Versorgung ist eine realistische Einstellung dazu. So wünschen sich viele ein
Hörvermögen, das genauso gut ist, wie ihr Gehör früher einmal war. Tatsächlich
ermöglichen die neuen technischen Entwicklungen Hörerlebnisse, an die noch vor wenigen
Jahren nicht zu denken war. Dennoch muss man sich bewusst machen, dass die Möglichkeiten
eines gesunden Gehörs so enorm sind, dass sie mit Hörgeräten wahrscheinlich immer nur
annähernd erreicht werden können.
Hörgeräte werden vom HNO-Arzt verordnet
und vom Hörakustiker mit viel Feingefühl |

In unserer visuell orientierten Welt wird die Bedeutung
des Hörsinnes häufig unterschätzt.und modernster Computertechnik angepasst. Sämtliche
Dienstleistungen des Hör-akustikers inklusive einer jahrelangen Nachsorge und
Gerätewartung sind mit dem Kaufpreis der Hörgeräte abgegolten. Die ' gesetzlichen
Krankenkassen übernehmen bei ärztlich verordneten Hörgeräten eine bestimmte Summe, den
»Festbetrag«. Ertaubte oder gehörlose Menschen, die von Hörgeräten nicht mehr
profitieren können, können fast immer mit einem Cochlear Implant versorgt werden.
Voraussetzung hierfür ist ein intakter Hörnerv. Die elektronische Innenohrprothese wird
bei einer Operation eingesetzt. Gehörlose Menschen sind dann - nach einem Hörtraining -
wieder in der Lage, Sprache zu verstehen. Je kürzer die Zeit der Ertaubung war, desto
besser sind die Ergebnisse. Es liegen auch gute Erfahrungen mit der Versorgung taub
geborener und ertaubter Kinder vor.
Dr. Karin Uphoff
Fördergemeinschaft Cutes Hören
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon: (06421) 2936-0
Fax: (06421)2936-60
Internet: www.fgh-gutes-hoeren.de |