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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig

»Mensch und Gesundheit« - damit verbindet sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig ein breites Spektrum von Leistungen und Aktivitäten auf den Gebieten der Lehre, der Forschung und natürlich der Patientenbetreuung. Hier werden zukünftige Ärzte ausgebildet. Hier wird auf vielen Gebieten geforscht; die Forschungsergebnisse werden so schnell wie möglich in der Patientenbetreuung eingesetzt. Fast 2500 Studenten sind an der Medizinischen Fakultät immatrikuliert. Spätestens im Praktischen Jahr kommen sie mit Patienten in Berührung. Studenten sind auch frühzeitig in Forschungsprojekte eingebunden. Von den rund 1200 Forschungsprojekten werden 241 gemeinsam mit Wirtschaftsunternehmen bearbeitet. Hierbei handelt es sich immerhin um einen Vertragswert von 5,4 Mio Euro.
Erklärtes Ziel der Medizinischen Fakultät ist es, ein leistungsfähiges Forschungsprofil zu erstellen sowie personelle und Sachmittel zunehmend leistungsbezogen zu vergeben. Dafür sind im Ergebnis vielfältiger und intensiver Bemühungen nunmehr klare Kriterien und Zielrichtungen erarbeitet, abgestimmt und bestätigt worden. An deren Umsetzung wird intensiv gearbeitet. Erste Erfolge dieser Bemühungen sind bereits auch von außen deutlich sichtbar. Mit der Etablierung leistungsfähiger Zentren, die moderne, von den bisherigen Strukturen unabhängige Forschungsbereiche ermöglichen, hat die Medizinische Fakultät in den vergangenen Jahren

von sich reden gemacht. Begonnen hat dieser Prozess der Zentrenbildung mit dem IZKF (Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung) und dem KKSL (Koordinierungszentrum für Klinische Studien).
Als 1996 acht IZKF mit BMBF-Mitteln eingerichtet werden konnten, war das Leipziger das einzige in den neuen Bundesländern. Im IZKF Leipzig arbeiten Wissenschaftler verschiedener Institute und Kliniken so zusammen, dass es zu Synergieeffekten kommt. Leipzig ist neben Tübingen übrigens die einzige Einrichtung, die sowohl ein IZKF als auch ein KKSL hat. Das KKSL stellt das Know-how für klinische Studien an der Fakultät zur Verfügung, um die Qualität der patientenorientierten klinischen Forschung wesentlich zu verbessern. Beide Einrichtungen tragen auf ihre Weise dazu bei, die Ergebnisse der Grundlagenforschung schneller in die Patientenversorgung einzubringen. Nicht zuletzt wird von diesen Einrichtungen das Forschungsprofil unserer Fakultät wesentlich mitbestimmt.

Stichwort »Forschungsprofil«. Trotz ihrer Kompetenzen und ihres Forschungspotentials kommt die Medizinische Fakultät nicht umhin, sich auf bestimmte Forschungsschwerpunkte zu beschränken. Angesichts einer immer mehr voranschreitenden Spezialisierung aller Wissenschaften, einschließlich der medizinischen, nimmt der Umfang der Forschungen immer mehr zu. Hinzu kommen immer teurere Geräte, die natürlich entsprechend ausgelastet sein müssen. Außerdem stehen personelle und sächliche Ressourcen nicht uneingeschränkt zur Verfügung. Auch die Einsparungen der öffentlichen Hand gehen an uns nicht spurlos vorbei. Aber ganz davon abgesehen, halte ich es für wenig sinnvoll, wenn wir uns verzetteln. Nur eine Bündelung der Kräfte kann zu Ergebnissen von Weltniveau führen. Im übrigen bilden sich auch in der Patientenbetreuung immer mehr Medizinische Zentren, für bestimmte Krankheiten heraus, die der Tatsache geschuldet sind, dass nicht jedes Krankenhaus jede Leistung vorhalten kann. Der positive Hintergrund dafür ist, dass man immer mehr Krankheiten erfolgreich behandeln kann.
Die Medizinische Fakultät hat sich gegenwärtig auf zwei Forschungsprofile konzentriert.
Da wäre erstens die Biomedizin. Dem übergreifenden Forschungsthema »Fehlsteuerung von zellulären Signalnetzwerken bei chronischen Krankheiten (Angewandte Zellbiologie)« ordnen sich die vier Schwerpunkte des IZKF Rheumatologie/lmmunologie, Endokrinologie, Neurowissenschaften und Onkologie zu.
Das zweite große Thema ist »Die Entwicklung und Evaluation psychosozialer Versorgungsformen als Erfordernis des sozialen und medizinisch-technischen Wandels«. Mit der Nachwuchsgruppe »Psychosoziale Onkologie« und der ausgeschriebenen Stiftungsprofessur »Gesundheitsökonomie« wird dieser Schwerpunkt gestützt. Um dieses Forschungsprofil zu stärken und auf dieser Basis mit interessierten Einrichtungen und Unternehmen zusammenzuarbeiten, wurde ein ganzes Maßnahmenpaket in Angriff genommen. Das fängt an bei der zielgerichteten Einwerbung von Drittmitteln für die Stärkung des eigenen Forschungspotentials. Dazu gehört aber auch die leis-tungsbezogene Vergabe von Forschungsmitteln. Und schließlich ist hier auch auf die schwerpunktorientierte Ausschreibung von Berufungen unserer Professoren zu verweisen, die den Weg für die Zukunft festigen soll. Ich denke, dass sich die einzelnen Faktoren potenzieren können und sich unser Forschungsprofil immer stärker herauskristallisieren wird. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt unsere Profilbildung mit 2 Millionen Euro pro Jahr. Wenn wir mit unserer Strategie Erfolg haben, und unsere Strategie entspricht dem Trend der Zeit, ist der Ruf unserer Fakultät die beste Grundlage dafür, hervorragende Wissenschaftler anzuziehen. Unsere Medizinische Fakultät ist auf dem Weg, ihren Platz unter den großen Fakultäten Deutschlands zurückzuerobern.

 

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Prof. Dr. Klaus Arnold
Prodekan der Medizinischen Fakultät

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Transferbrief Leipzig 2/2002