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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
An apple a day keeps the doctor away oder wie bleibe ich gesund?

Gesund sein und Gesund bleiben - dies ist ein Wunsch, den wir alle mit höchster Priorität versehen. Wer aber ist ein Spezialist für »Gesundheit«?
Wie selbstverständlich schreiben wir dem Arzt diese Rolle zu. Tatsächlich werden aber Ärzte zum Spezialisten für die Erkennung und Behandlung von Krankheiten, nicht aber für »Gesundheit« ausgebildet. Folgerichtig stellt das Sprichwort »An apple a day keeps the doctor away« so nebenbei fest, dass für Gesunde der Arzt entbehrlich ist. Obwohl Gesundheit für uns alle so wichtig ist und einen so hohen Stellenwert besitzt, weiß kaum jemand diesen schillernden Begriff wissenschaftlich klar zu definieren. Durch die Definition der WHO (1946, New York) als »ein Zustand vollständigen physischen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht bloß die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen« wird deutlich, dass die Schaffung von Gesundheit in ihrer umfassenden und ganzheitlichen Form keine ausschließlich medizinische Angelegenheit ist.
Auf die Frage: »Was muss ich tun, um gesund zu bleiben?«, finden wir aber überwiegend an bestimmten Krankheitsbildern orientierte Empfehlungen zum »gesunden« Verhalten, die inhaltlich an einer Reduktion der krankheitsspezifischen Risikofaktoren ausgerichtet sind. Sei es die Gefährlichkeit des Zigarettenrauchens oder das ansteigende Herzinfarktrisiko durch erhöhte Cho-lesterinspiegel im Blut, entsprechende Möglichkeiten zur Minimierung des individuellen Risikos sind jedem bekannt. Damit wird aber der Gesundheitsbegriff auf die reine Abwesenheit bestimmter Krankheiten reduziert. Dieses Wissen über eine wissenschaftlich belegte Aussicht auf ein längeres bzw. gesünderes Leben reicht aber zumeist nicht aus, ein Verhalten (Rauchen, fettes Essen) zu ändern, weil es eine bestimmte Bedeutung für die aktuelle individuelle Lebensqualität besitzt (Abb. 1). Kein Marketingexperte würde ein Produkt mit den negativen Qualitäten der Krankheitsvermeidung anbieten, wie es Maßnahmen zur Prävention häufig tun. Wie wirksam eine andere Darstellung sein kann, zeigt die Attraktivität alternativer Angebote. Mit Begriffen wie z.B. »Ayurveda« oder »Feng Shui« u.v.a. verbinden sich nicht Perspektiven auf Verzicht oder Minderung der Le-

bensfreude, sondern ein umfassendes Bild besonderer Lebensqualität. Dieses Wirkprinzip lässt sich gut durch die Ansätze des Lebensstilkonzeptes erklären. Als Lebensstil ist die wechselseitige Beeinflussung von tragfähigen und relativ zeitstabilen Grundeinstellungen und Werten, den vorhandenen sozialen, materiellen und persönlichen Ressourcen und dem beobachtbaren Verhalten zu verstehen. (Abb. 2)

Während klassische Prävention i.d.R. auf eine Veränderung von Verhaltensweisen abzielt, wenden sich die erfolgreichen Alternativangebote an die vorhandenen Grundeinstellungen und Werte der Menschen. Gleichzeitig zielen sie auf eine Schaffung zusätzlicher Ressourcen ab, z. B. durch die Bereitstellung von Entspannungsverfahren. Wie erfolgreich diese Zielrichtung sein kann, zeigt auch die oft dramatische Verhaltensänderung während einer Schwangerschaft. * Hier wird statt der Verhaltensebene der hochrangige Wert der Fürsorge für das ungeborene Kind aktiviert. So wird der Konsum von Alkohol und Zigaretten plötzlich völlig anders »bewertet« und das Verhalten verändert.

Im Fachbereich Sozialwesen der HTWK wird angehenden Sozialarbeitern und Sozialpädagogen das Konzept der differenten Lebensstile in Hinblick auf gesundheitsrelevantes Verhalten vorgestellt. Vorgesehen ist, diese Ausbildungsrichtung in einem bereits vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst genehmigten Studiengang Gesundheitswissenschaften weiter auszubauen.

 

Prof. Dr. med. Jörg-Achim Weber Magister Public Health postgrad. HTWK Leipzig Fachbereich Sozialwesen Lehrgebiet Sozialmedizin Karl-Liebknecht-Straße 145 Telefon: (0341) 3076-4347 e-mail: Weber@sozwes.htwk-leipzig. de

Transferbrief Leipzig 2/2002