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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
 
 
Was fühlen Moleküle in Lösung? Forschung über gelöste Stoffe
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Magnet zum Kernresonanzspektrometer

chemischen Verbindungen zu suchen. Zwei dieser Methoden sollen kurz umrissen werden. Die erste nennt sich Kern-Overhauser-Spektroskopie und beruht darauf, dass verschiedene Kernspins (damit werden die magnetischen Eigenschaften der Atome bezeichnet) voneinander wissen können, obwohl die zugehörigen Atome keine chemische Bindung miteinander eingehen. Dies bedeutet, dass das Verfahren vor allem in der Nahordnung wirksam ist. Es ist für den inframolekularen Fall schon lange erprobt, für intermolekulare Verhältnisse bedarf es noch eingehender weiterer methodischer Entwicklung, um Fehlinformationen auszuschließen. Ein zweiter Ansatz wird bei uns mit der Messung von Diffusionskonstanten verfolgt. Moleküle bewegen sich in Lösung mit einer bestimmten mittleren Geschwindigkeit, die nach dem Stokes-Einstein-Gesetz von ihrer
molekularen Masse, der Temperatur und der Viskosität des Lösungsmittels abhängt. Findet nun ein Molekül in Lösung einen anderen Partner, mit dem es, wie der Chemiker sagt, komplexiert, so vergrößert sich die Masse der sich bewegenden Einheit und damit ändert sich entsprechend die Diffusionskonstante. Mit diesem Verfahren kann man daher auch schwachen molekularen Assoziationen nachspüren. Die Methode der Kernresonanz ist aufwendig und teuer. Ein besonders leistungsfähiges Forschungsgerät mit einem Magnetfeld von 16.5 Tesla wurde kürzlich am Institut für Analytische Chemie installiert, das Foto zeigt den großen Magneten. Mit kaum einer anderen Methode lässt sich so detailliert das Verhalten von Molekülen betrachten.

 

 


Prof. Dr. Stefan Berger
Universität Leipzig
Institut für Analytische Chemie
Linnestraße 3
04103 Leipzig
Telefon: (0341)9736100
Fax:(0341)9736115
e-mail: stberger@rz. uni-leipzig. de
Internet: www. uni-leipzig. de/~nmr/
ANALYTIK

Chemische Reaktionen finden zumeist in Lösung statt. Daher ist es zunächst wichtig, die Strukturen gelöster Stoffe zu kennen. Die zentrale Strukturmethode der Chemie für gelöste Stoffe ist die Kernresonanzspektroskopie (NMR), mit der man den Feinbau von Molekülen in Lösung sehr genau untersuchen kann. Die methodische Entwicklung auf diesem Sektor ist zwar noch nicht zu Ende gekommen, hat aber inzwischen einen sehr hohen technischen Stand erreicht. Je nach Problemlage gibt es ausgearbeitete Protokolle, nach denen ein bestimmtes Strukturproblem gelöst werden kann. Am Institut für Analytische Chemie der Universität Leipzig beschäftigen wir uns daher mit einer weiterführenden Fragestellung. Nicht mehr nur die Struktur gelöster Moleküle, sondern ihre Interaktion mit sich selbst,

mit anderen gelösten Molekülen oder mit dem Lösungsmittel steht im Mittelpunkt einer unserer Forschungs-einrichtungen. Der Grund hierfür ist einfach: Je nach Umgebung können Moleküle ihre Konformation, d.h. interne Freiheitsgrade bei Drehung um bestimmte chemische Bindungen ändern und dadurch andere Eigen-schaften betonen. Ein kleines Peptid zum Beispiel wird sich in wässriger Lösung anders verhalten als in einer Zellmembran, weil diese beiden Medien völlig andere Eigenschaften zur Solvatation sprich zur Umhüllung des »gelösten« Peptids besitzen können.
Die NMR-Spektroskopie bietet nun mehrere Möglichkeiten nach solchen Interaktionen zwischen gelöstem Stoff und seiner Umgebung, also etwa dem Lösungsmittel oder anderen

Transferbrief   2/2003

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