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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig

 
Das Zentrum für Magnetische Resonanz stellt sich vor

Atomkerne haben eine elektrische Ladung. Viele Kernsorten, darunter auch Wasserstoff, drehen sich und erzeugen durch die drehende Ladung einen magne-tischen Kerndipol. In einem starken Mag-netfeld ergeben sich Resonanzen zwi-schen den Kerndipolen und einem hoch-frequenten elektromagnetischen Feld, wobei die Resonanzfrequenzen in den Be-reichen liegen, in denen auch Radio und Fernsehen arbeiten. Dieser Effekt der magnetischenResonanz, der 1944 (als ESR) von Zawoiski (UdSSR) und 1946 (als NMR) von Arbeitsgruppen um Bloch und Purcell (USA) entdeckt wurde (Nobelpreis an Bloch und Purcell, 1953), hat sich seit 50 Jahren ausgehend von Physik und Chemie in allen Natur-wissenschaften unter seinem englischen Namen NMR (nuclear magnetic resonan-ce) etabliert. Der analoge Effekt für Elek-tronen heißt ESR (electron spin resonan-ce) oder EPR (electron paramagnetic res-onance). Weitaus bekannter als diese in Physik, Chemie, Biologie und Material-wissenschaften wohl etablierten spektro-skopischen Analysenverfahren ist jedoch die medizinische Anwendung zur Her-stellung von Querschnittsbildern gewor-den. Magnet-Tomographie und MRI (mag-netic resonance imaging) sind Begriffe, die Ärzten und deren Patienten im letzten Jahrzehnt geläufig geworden sind.
Die großen supraleitenden Magneten sowie die umfangreiche Elektronik und Software, die zu dieser modernen Technik der Magnetische Resonanz gehören, sind teuer und befinden sich in einer Phase stürmischer Entwicklung. Anwendungen erobern sich ständig neue Teilgebiete. Nach den USA werden auch in Europa Zentren für Magnetische Resonanz aufge-baut. Bayern richtet ein Zentrum in München, Hessen ein Zentrum in Frankfurt und NRW ein Zentrum in Jülich ein. Die Sachsen haben gute Chancen, das große, an der Universität Leipzig vor-handene Potential zu nutzen, dessen Grundlage von den Physikern Arthur Lösche und Harry Pfeifer mit ihren 1951 erstmalig in Mitteleuropa durchgeführten NMR-Experimenten gelegt worden ist.
Hierzu wurde am 30. März 2004 das Zen-trum für Magnetische Resonanz der Uni-versität Leipzig (MRZ) gegründet. Es soll die an der Universität Leipzig vorhandenen Potentiale zusammenführen und die brei-te Anwendung der Methoden der magneti-schen Resonanz in Biologie, Chemie, Medizin, Physik und Veterinärmedizin durch neue grundlegende Beiträge metho-disch weiter entwickeln. Darin sollen  bio-


NMR-Spektrometer Bruker MSL 500


disch weiter entwickeln. Darin sollen  bio-chemische, molekularbiologisch physikalisch-medizinische und medizi-nisch diagnostische Arbeiten ebenso einge-schlossen wie die Arbeiten auf anorganisch-chemischen, physikalisch- chemischen und materialwissenschaft-lichem Gebiet sein. Im Zentrum arbeiten Wissenschaftler der Fakultät für Physik und Geowissenschaften, der Fakultät für Chemie und Mineralogie, der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie, der Medizinischen Fakultät, der Veterinär-medizinischen Fakultät und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften an Projekten entsprechend ihrer Wissenschafts-gebiete mit. Ein Zentrum auf einer so breiten interdisziplinären Basis gibt es in Deutschland noch nicht.
Konkrete Beispiele der methodischen Arbeit sind einerseits die moderne Stoffanalytik, die Untersuchung von Struktur und Dynamik in Festkörpern und in Grenzflächensystemen und die Untersuchungen zur dreidimensionalen
Struktur makromolekularer Systeme (wie Proteine oder membranassoziierte molekulare Systeme), die für chemi-sche und biologische Prozesse wichtig sind. Andererseits sollen Bildgebung in der medizinischen Diagnostik und der medizinischen Forschung davon Nutzen haben. Weitere Forschungs-gebiete sind über die Homepage des Magnet-Resonanz-Zentrums abrufbar.
Die umfangreiche Geräteausstattung ist in den vergangenen zwei Jahren durch  ein  hochauflösendes  NRM-


Das NMR-Spektrometer Bruker AVANCE 750
erzeugt ein sehr gleichförmiges Magnetfeld,
das etwa 300.000 bis 400.000 mal stärker als
die Horizontalkomponente des Erdmagnet-
feldes ist.


Spektrometer für 700 MHz, durch ein Festkörper-NMR-Spektro-meter für 400 MHz und durch ein Festkörper-NMR- Höchstfeldspektrometer für 750 MHz ergänzt worden. Die Nutzung der im MRZ vorhandenen Geräte konzentriert sich auf Forschung und medizinische Betreuung in den beteiligten Einrichtungen, steht aber nach Absprache auch für Dienst-leistungen gegenüber Dritten offen.
Das Zentrum wird die gemeinsamen Bemühungen zur Geräteentwicklung und in der Aus und Weiterbildung befruchten. Die Schwerpunktbildung im Rahmen des Zentrums soll durch die Entwicklung eines sächsischen Kompetenzzentrums begleitet sein, das überregional für wissenschaftliche Fragen und die ange-wandte Forschung nutzbar sein wird.
 

 

 

 

Universität Leipzig
Zentrum für Magnetische Resonanz
Prof. Dr. Dieter Freude
Linnestraße 5
04103 Leipzig
Telefon: (03 41) 9 73 25 03
Fax: (0341)9739349
e-mail: mrz@uni-leipzig.de
Internet: http://mrz. uni-leipzig. de

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