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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
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Geleitwort



Analytik ist ein wesentliches Element der Erkenntnisfindung in allen Bereichen der Naturwissenschaften, der Technik und des öffentlichen Lebens. Etwa 50% aller im Zusammenhang mit den ver-schiedensten menschlichen Aktivitäten erstellten Messergebnisse sind analyti-scher Natur. Fachleute schätzen, dass weltweit jährlich über zehn Milliarden Analysendaten gewonnen und inter-pretiert werden. Das Marktpotenzial für die dazu notwendigen Geräte und Ausrüstungen wird mit jährlich 25 Mrd. US-Dollarangegeben.
Ursprünglich im Bereich der Chemie angesiedelt, hat die Entwicklung der Biologie und der Medizin auf der molekularen Ebene wie auch der Materialwissenschaften das Vordringen der Analytik in scheinbar der Chemie fremde Disziplinen zwingend notwendig gemacht. Analysentechnik begleitet heute die Herstellung von chemischen, metallurgischen und pharmazeutischen Produkten sowie von Haushaltprodukten und Nahrungsmitteln genauso, wie sie bei der medizinischen Diagnose und im Umweltschutz Anwendung findet. Über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg, von der Forschung und Entwicklung über die Qualitätsüberwachung bis zur Entsorgung werden Produkte von analytischen Messungen begleitet. Moderne Analysentechnik ist ein integraler Bestandteil der Innovation, der Produktion und des Schutzes der Öffentlichkeit. Sie trägt somit wesentlich zur Qualität unseres Lebens bei.
Die wachsende Komplexität von Produkten und deren immer größer werdende Fertigungstiefe stellen immer höhere Anforderungen an die Qualität der Analysenergebnisse. Probenahme, Pro-

benvorbereitung und Stofftrennung gewinnen damit an Bedeutung. An Zuverlässigkeit, Richtigkeit und Spezifität der analytischen Methoden werden sehr hohe Anforderungen gestellt, während gleichzeitig die Geschwindigkeit und die Kosteneffizienz steigen müssen.
Die Tendenz zu Miniaturisierung von Analyseninstrumenten hat zur Konse-quenz, dass immer häufiger »die Ana-ytik zur Probe geht« und nicht, wie bis-her üblich, umgekehrt. Die Sensorik ent-wickelt sich zur Grundlage eines innova-tiven Wirtschaftszweiges mit hohem Potenzial für flexible Unternehmen. Komplexe Instru mentarien zur Mess-wertverarbeitung werden durch standar-disierte Schnittstellen für jeden nutzbar, der ein dem analytischen Problem adä-quates Signal erzeugen kann. Durch Automatisierung wird Analysentechnik unabhängig von personellen Ressourcen an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden verfügbar gemacht.
Andererseits erfordern technische An-wendungen ständig neue Methoden, um das Verhalten z.B. von Pasten, Schäu-men, Beschichtungen oder Komposit-materialien unter Produktionsbedingun-gen zu beurteilen und den Produktions-prozess mittels dieser Methoden beherrschbar zu machen. Gefühlte Eigenschaften wie z. B. die Cremigkeit von Suppen oder die Weichheit von Papier müssen in aussagekräftige objek-tive Messdaten umgewandelt werden, um die Qualität von Erzeugnissen gezielt verbessern zu können und ihre Markt-chancen zu erhöhen. Die Fähigkeit zum Erkennen derartiger Bedürfnisse der Wirtschaft und die Kompetenz zur schnellen Umsetzung in attraktive Pro-dukte kennzeichnen erfolgreiche Klein-unternehmen auf dem Gebiet der Analysentechnik.
Leipzig verfügt über eine langjährige akademische und praktische Tradition auf den Gebieten der chemischen Ana-lytik, der Stofftrennung und der physika-lischen Messtechnik. Viele unserer Unternehmen und Einrichtungen sind aus diesen Quellen hervorgegangen. Hinzu gekommen sind in jüngerer Zeit vor allem Techniken der Biochemie, die in Wechselwirkung mit der Entwicklung der »Life Sciences« stehen, sowie Methoden zur Bestimmung von Struktur und Funktion von Materialien im Mikro- und Nanometerbereich.
Gemeinsam mit der Universität Leipzig, den Leipziger Hochschulen und den großen Forschungsinstituten strebt die IHK zu Leipzig eine deutlich intensivere

 Wechselbeziehung zwischen
• den Unternehmen der Region, die
  Analysentechnik entwickeln und
  herstellen,
• solchen, deren Kernkompetenz in der
  Durchführung von Analysen liegt und
• solchen, die zeitweiligen Bedarf an
  speziellen Analysen haben, sowie
• Forschergruppen, die über Kenntnisse
  zu den fortgeschrittensten Techniken
  und über hoch leistungsfähige  
  Analyseninstrumente verfügen, an.
Der Austausch von Informationen und Leistungen allein genügt jedoch nicht. Gleichzeitig stellen die Unternehmen der Region einen attraktiven Einsatzort für Praktikanten, Diplomanden und Absol-venten dar. Die Unternehmen eröffnen ihnen die Möglichkeit, ihre persönlichen Zukunftschancen klar zu strukturieren und dabei neueste Erkenntnisse der Wissen-schaft in den Innovationsprozess ein-fließen zu lassen. Die Gewinnaussicht ist für beide Seiten keineswegs aus-schließlich ideell. Einen Schritt auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Verknüpfung der Innovationspotenziale der Region stellt das von der IHK zu Leipzig initiierte Projekt »Wirtschaft trifft Wissenschaft« dar, zu dessen regelmäßigen Foren Studierende, Unternehmer und Wissen-schaftler zur Vorstellung ihrer Kompe-tenzen und Anforderungsprofile genauso wie zur Erörterung der Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit eingeladen sind. Die regionalen Netzwerke »Medizin-technik« und »Intralogistik«, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit gefördert und von der AGIL GmbH Leipzig, einer Gesellschaft der IHK zu Leipzig, organisiert werden, stellen beispielgebend dar, wie eine Fokussierung der Anstrengungen einer Reihe von Unternehmen und Hochschulen bis hin zu
Marketingexperten auf ein wohldefiniertes
Marktsegment zu erfolgreichen Produkten und somit zum Nutzen für alle Beteiligten führt. Dem Ziel der Förderung einer regen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstituten, die sich mit Analytik und Analysentechnik befassen, sowie der Verbreitung von Wissen über die verfügbaren Potenziale ist die vorliegende Ausgabe von »Wirtschaft und Wissenschaft  Transferbrief Leipzig« gewidmet.



Börries von Ditfurth
Hauptgeschäftsführer
Industrie- und Handelskammer zu Leipzig

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