2 2005

Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

   Wirtschaft und Wissenschaft

- -
   Transferbrief Leipzig
 

Feldstärken von einigen Tesla auftreten. Der Einsatz metallischer Sensoren würde zu erheblichen Fehlern bei der Messung und Bildgewinnung führen. Aus diesem Grund sind für spezielle Krebstherapien (z.B. Magnetflüssigkeits-Hyperthermie) Spezialsonden mit Durchmessern von 0,5 mm verfügbar. Diese können minimalinva-siv zur Überwachung der Gewebe-temperatur eingesetzt werden (Abb. 2). Gesundes Gewebe darf durch die Feld-einwirkung nicht über 40°C erwärmt werden, während kanzerogenes Gewebe durch höhere Temperaturen abstirbt. Andere Anwendungsfelder liegen in der Lasertherapie und -Chirurgie. Die am Therapieort eingekoppelte Laserenergie wird kontrolliert, indem eine Temper-aturüberwachung mit einer faseroptischen Sonde erfolgt.


Abb. 2: Röntgenaufnahme (Becken)
mit platzierten Sonden

Umwelttechnik
Industrielle Altlasten sind oft mit starken Verunreinigungen des Bodens durch Öl, andere toxische und schwer abbaubare organische Verbindungen belastet. Eine Methode, diese Altlasten effektiv zu entsorgen, ist die Unterstützung von Reinigungsverfahren mit Bodenerwärmung durch Radiowellen. In das zu sanierende Areal sind dabei Elektroden eingebracht, mit deren Hilfe der Boden dielektrisch erwärmt wird. Ein Hochleistungsgenerator liefert die nötige Energie im Radio-frequenzbereich. Zusätzlich sind im Boden faseroptische Sonden verteilt (Abb. 3). Auf Basis der Messwerte können nun be-stimmte Temperaturen bzw. Temperatur-verteilungen im Boden realisiert werden, die für das jeweilige Sanierungsverfahren optimal sind. Beispielsweise können mit geringen Temperaturerhöhungen der ver-stärkte Schadstoffabbau durch im Boden vorhandene Mikroorganismen aktiviert, bei


Abb. 3: Versuchsanlage am Umwelt-
forschungszentrum Leipzig-Halle

Temperaturen von bis zu 150° C Schad-stoffe freigesetzt oder in Verbindung mit der Wasserverdampfung aus dem Boden entfernt werden.

Holztrocknung
Bei der Holztrocknung oder der Sanie-rung von Holzkonstruktionen in alten Gebäuden werden die betroffenen Teile in eingebautem Zustand segmentweise durch Mikro- oder Radiowellen thermisch behandelt. Typische Arbeitstemperatu-ren liegen dabei zwischen 80° C und 95°C. Diese Temperatur ist ausreichend, um den Hausschwammbefall wirksam zu bekämpfen und gleichzeitig eine thermische Beschädigung des Materials zu verhindern. Die wichtige Kontrolle der Kerntemperatur des Holzes erfolgt mittels einer faseroptischen Sonde im Holz.

Energietechnik

Um die Betriebssicherheit zum Beispiel in Kraft- und Umspannwerken zu ge-währleisten, wird an exponierten Stellen in Generatoren und Transformatoren die Temperatur gemessen (Abb. 4). Hoch-leistungsgeneratoren sind oft zwecks effektiver Kühlung mit Wasserstoff gefüllt. Neben der stark elektromag-netisch beasteten Umgebung kommt so


Abb. 4: Anwendung an der Stromdurch-
führung eines Transformators

noch die Explosionsgefahr hinzu. Die An-wendung von faseroptischen Thermo-metern ist hier wiederunm eine optimale Lösung

Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ), der Fa. OPTOcon GmbH Dresden und dem Forschungs- und Transferzentrum an der HTWK Leipzig (FTZ) wurden die Grundlagen für neuartige faseroptische Temperaturmessgeräte auf der  Basis des vorgestellten Bandkanten-verfahrens entwickelt. Inzwischen werden diese Geräte unter Federführung des FTZ Leipzig weiterentwickelt, hergestellt sowie von der Fa. OPTOcon Dresden kommerziell angeboten.
Im Rahmen von Forschungsaktivitäten am UFZ und FTZ wurden die Geräte bereits mehrfach erfolgreich eingesetzt. Sie zeichnen sich durch eine hohe Betriebs-sicherheit und Flexibilität in der Anwendung aus, so dass sie beispiels-weise in einem vom UFZ entwickelten feldfähigen, modularen System zur thermisch unterstützten Bodenreinigung standardmäßig  Verwendung  finden.

Teile der vorgestellten Entwicklungen werden mit Mitteln des BMWA Förderprogramms INNO-WATT (FKZ: IW041452) gefördert.
Der Autor dankt der Fa. Optocon sowie dem UFZ Leipzig-Halle für die Bereit-stellung des Bildmaterials.

 

 

 

 

 

 


Dipl.-Ing. Dirk Lippik
Forschungs- und Transferzentrum
an der HTWK Leipzig
Karl-Liebknecht-Straße 132
04277 Leipzig
Telefon: (03 41) 30 76-12 51
e-mail: lippik@ftz-leipzig. de

Wirtschaft und Wissenschaft     Transferbrief Leipzig  2 2005

 7