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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
Geophysik im Bergwerk ul_logo72x400.jpg (14324 Byte)
Sicherheit für Deponien und Endlage
Ehemalige Bergwerke, insbesondere Salz-bergwerke mit ihren großen Abbaukammern und Schächten im bis zu 800 m mächtigen Hauptsalz des Zechsteins, werden genutzt, um gefährliche chemisch-toxische oder ra-dioaktive Abfälle in Endlagern oder Unterta-gedeponien (UTD) abzulagern. Ein Multibar-rieresystem aus technischer (z. B. Behälter), geo-technischer (Versatzmaterial) sowie geologischer Barriere (Gestein) muss hierbei die Kontamination der Umgebung

Geophysikalisches Abbild als Vertikalschnitt der Umgebung einer Bergwerksstrecke

verhindern. Um die Sicherheit der geologischen Barriere einer UTD beurteilen zu können, ist ihre zerstörungsfreie Untersuchung und räumliche Erkundung zwingend notwendig und vom Gesetzgeber vorgeschrieben.
Hierfür sind in besonderer Weisegeophysikalische Methoden geeignet, weil die Barriere nicht durch Streckenvortrieb oder Bohrungen beschädigt werden darf. Aber auch im normalen Bergwerksbetrieb ist die Nutzung geo-physikalischer Methoden (auch in Ergänzung zu Bohrungen) zur Erkundung vorteilhaft, weil Bohrungen nur punktuelle Informationen liefern und gerade sicherheitsrelevante Bereiche verfehlen können. Geophysikalische Verfahren liefern nicht nur punktuelle Informationen, sondern erlauben es, ein vorgegebenes Erkundungsvolumen vollständig zu erfassen.
Allerdings sind die Bedingungen für die Anwendung geophysikalischer Methoden untertage im Salzgestein nicht günstig:
 

· Durch den Streckenverlauf der Schächte sind bestimmte Messanordnungen vorgegeben.
· Die Messanordnung befindet sich im sogenannten Vollraum, dadurch ergibt sich eine größere Mehrdeutigkeit der Messsignale als übertage (Halbraum: über der Erdoberfläche befindet sich nur Luft), und die Interpretation ist erschwert (Einflüsse aus allen drei Raumrichtungen).
· Untertage herrschen schwierige Umgebungsbedingungen.

In Zusammenarbeit mit
· dem Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA) Hannover,
· den Firmen Geophysik GGD Leipzig und K-UTEC Sondershausen,
· der Fraunhofer-Einrichtung für Akustische Diagnostik und Qualitätssicherung (EADQ) Dresden,
· dem Spezialisten für Salz-Geologie Dr. Arnold Schwandt, Erfurt

als Projektpartnern wurde unter Leitung des Instituts für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig im Rahmen eines vom BMBF, Projektträger Wassertechnologie und Entsorgung, geförderten Forschungsprojektes ein komplexes Mess- und Auswerteinstrumentarium für die untertägige Erkundung von Problemzonen der geologischen Barriere von Endlagern und UTD im Salinar entwickelt. Gerade in solchen Problemzonen des Salinars (Störungszonen, laugenführende Zonen und lithologische Problembereiche) versagen konventionelle Methoden häufig.
Ziel des Projektes war es, auch in

Geoelektrische Untertag-Messung in einem Salzbergwerk

ungünstigen geologischen Situationen mit Hilfe der Kombination leistungsstarker geophysikalischer Methoden den Informationsgehalt der vielfältigen Messdaten besser auszunutzen und dadurch die Aussagesicherheit gegenüber den Einzelverfahren wesentlich zu verbes-sern.
In einem ehemaligen Kali-Bergwerk (Süd-harz-Revier) konnte eine bisher unbekannte laugenführende Störungszone im Hangenden einer Abbaustrecke mit einer Kombination der Verfahren Seismik, Geoelektrik, Georadar, Elektromagnetik und Sonar detektiert und mit Bezug auf die bergbauliche Sicherheit bewertet werden.
Im Liegenden der Strecke zeigen Georadar-Reflektoren und niedrige spezifische elektrische Widerstände aus der Geoelektrik eine tiefreichende Durchfeuchtung durch die Bewetterung im Bergbau. Die Geoelektrik liefert außerdem Hinweise auf die Fortsetzung der Störungszone im Liegenden.
Gegenwärtig werden in einem Nachfolgeprojekt die an diesem Standort gewonnenen methodischen Entwicklungen und Erfahrungen weitergeführt und in einem noch in Be-trieb befindlichen Bergwerk bei Hannover angewendet.

Anita Just, Yvonne Krause
Universität Leipzig
Institut für Geophysik und Geologie
Talstraße 35,
04103 Leipzig
Telefon: (0341) 97 32 828
E-Mail: ajust@rz.uni-leipzig.de

 

 

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Transferbrief Leipzig 3/2002