Das
Bauwesen stellt vielfältige Anforderungen an das Vermessungswesen. Dazu gehören das
Bereitstellen von Planungsunterlagen, das Abstecken von Bauwerken, das Steuern von
Bauprozessen, die geometrische Baukontrolle, die meßtechnische Bauwerksüberwachung und
die Bestandsaufnahme.
Die Bauwerksüberwachung ist eine komplexe Aufgabe, die visuelle Beobachtungen und eine
Vielzahl von Messungen, aber auch die meßtechnische und bautechnische Interpretation
beinhaltet. Bauwerke, die wichtige Versorgungs- aufgaben zu erfüllen haben, Grundfonds
von erheblichen Wert darstellen, eine potentielle Gefahr bedeuten oder deren Funktions-
und Standsicherheit gefährdet ist, werden nach einem Meßprogramm überwacht. Diese
Meßprogramme haben als Zielstellung, qualitative und quantitative Veränderungen sowie
die Richtigkeit projektierter Kennwerte nachzuweisen und einen Beitrag zur Schaffung von
Berechnungsgrundlagen künftiger Projektierungen zu liefern.
Für Stauanlagen wird im Entwurf zur überarbeiteten E DIN 1970010 ein Meß- und
Überwachungsprogramm gefordert. Zu diesem Programm gehören neben den visuellen
Kontrollen u.a.
- das Messen der Wirkgrößen wie
Stauhöhe, Temperatur und Niederschlag,
- hydrologische Messungen des Zu- und
Abflusses,
- absolute Verschiebungs- und
Verformungsmessungen (Nivellement
und Tachymetrie),
- relative Verschiebungs- und
Verformungsmessungen
(hydrostatisches
Nivellement, Lot- und Extensometer-
messungen), |
-
hydrometrische Messungen
(Sohlenwasserdruck,
Porenwasserdruck,
Sickerwassermenge),
- Spannungsmessungen.
Für die Planung, Ausführung, Aufbereitung und Interpretation von Verformungs- und
Verschiebungsmessungen an Bauwerken und natürlichen Objekten wie z.B. Rutschhängen oder
Talzuschüben gilt E DIN 18710 Ingenieurvermessung mit
- Teil 1: Allgemeine Anforderungen,
- Teil 4: Überwachung.
Programme der meßtechnischen Bauwerksüberwachung können sehr einfach sein, wenn es sich
nur um Setzungsmessungen z.B. an einer kleineren Talbrücke handelt. Sie können sehr
komplex sein, wenn die Bauwerke eine Gefährdung für die Umwelt bewirken können oder
komplizierte Gründungsverhältnisse ausweisen, z.B. bei Verkehrstrassen in ehemaligen
Bergbaugebieten.
Eine besondere Bedeutung bei diesen für jedes Objekt individuell zu planenden
Meßprogrammen haben
- die Anlage des Stützpunktnetzes
(Festpunkte),
- die repräsentative Auswahl von
Objektpunkten,
- Angaben über die Größe erwarteter
Verschiebungen, Verformungen,
Kräfte
u.a.,
- die Anwendung langzeitstabiler
Meßverfahren,
- die Erfassung der Einflußgrößen auf
das Meßobjekt und auf die
Meßtechnik,
- die Aufstellung des Beobachtungs-
planes mit den Meßterminen, |
- die
Festlegung der Genauigkeitsmaße
für die Meßverfahren,
- die meßtechnische Interpretation der
Ergebnisse,
- die Beauftragung eines erfahrenen
Ingenieurbüros.
Talsperre muldenberg im Vogtland
Meßtechnische Details können in spezifischen
Meßanweisungen geregelt werden, die Bestandteil des Meßprogrammes werden.
Das Lehrgebiet Vermessungskunde der HTWK Leipzig hat in Zusammenarbeit mit Praxispartnern
in den vergangenen 10 Jahren an folgenden Objekten der meßtechnischen
Bauwerksüberwachung mitgewirkt
- Verschiebungs- und
Verformungsmessungen am Schloß
Schwerin,
- Setzungsmessungen an der St.
Johanniskirche Ellrich/Harz,
- Untersuchung im Höhennetz der
Ohratalsperre,
- geometrische Erfassung von
Schadstellen an Kühltürmen des
Kraftwerkes Espenhain,
- Setzungsmessungen am
Völkerschlachtdenkmalund
Höhenüberwachungnetz im Umgang
unter der Krypta
- Rekonstruktion der Meßeinrichtungen
an der Talsperre Muldenberg,
- Konzipierung des Meßprogramms für
die Talsperre Leibis/Lichte: |