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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
Von GIS zur virtuellen Realität

Agilogoneufrei.gif (2277 Byte)

Im Rahmen eines Innovationsprojekts des EU-Programms Innovation und KMU des 5. Rahmenprogramms wurde eine Software entwickelt, die GIS-Datenbanken zu einem leistungsstarken Modellierungs- und Visualisierungspaket verbindet und so den an Stadtplanung mitwirkenden Experten und anderen einschlägigen Akteuren eine weit effizientere Zusammenarbeit als bisher ermöglicht.

„Für den Planungsprozess und die Präsentation von Informationen vor Planungsausschüssen und der Öffentlichkeit benutzen die regionalen und kommunalen Planungsbehörden in Europa besondere Geografische Informationssysteme (GIS).
Leider liefern die bestehenden GIS nur zweidimensionale Karten. Wenn kritische Planungsentscheidungen anstehen oder bei einem bestimmten Projekt die Zustimmung der Öffentlichkeit einzuholen ist, eignen sich dreidimensionale Bilder viel besser. "Schön und gut, aber wie wird das in zehn oder zwanzig Jahren tatsächlich aussehen?", ist eine Frage, die an Planungsentscheidungen beteiligte Laien verständlicherweise gern stellen. 

Die derzeit einzige Möglichkeit besteht darin, 3D-Bilder auf der Grundlage traditioneller CAD-Modelle und Luftaufnahmen zu erzeugen - viel zu ineffizient, um rasch mögliche Landschaftsszenarios zu erstellen.

Das Projekt Imago Metropolis ist einem zufälligen Treffen von Fachleuten verschiedener Disziplinen entsprungen - ein typisches Phänomen im Innovationsprozess. Laurent Perrin vom Stadtplanungsinstitut der Île de France (IAURIF) führte eine Technologieerhebung über 3D-Visualisierungssoftware mit Anwendungsmöglichkeiten für Stadtplanung durch. Er erinnert sich noch gut daran: "Ich besuchte verschiedene Seminare, und auf einem wurde ich mit Forschern vom Centre de Coopération Internationale en Recherche

Agronomique pour le Développement (CIRAD) bekannt gemacht."
Das CIRAD entwickelte seinerzeit AMAP, eine Gruppe äußerst leistungsstarker Softwaretools zur Modellierung von Bepflanzungen und zur Simulation ihres Wachstums. "Als sie ein Tool hinzufügten und Pflanzen und andere Dinge in eine Landschaftsszenerie setzten, begann ich darüber nachzudenken, wie sich dies mit umfangreichen GIS-Datensätzen verbinden ließe", erinnert sich Perrin. "Als Ergänzung des Konsortiums für das Innovationsprojekt wählten wir Partner mit technisch unterschiedlichen Bedürfnissen. Eurosense brauchte ein ziemlich detailliertes Modell eines Flusstals, in dem sein Kunde eine elektrische Hochspannungsleitung zu bauen hatte, während Milan Polytechnic daran interessiert war, zu Forschungs- und Informationszwecken archäologische Landschaften zu rekonstruieren."
3D- und 4D-Entscheidungen
AMAP ist in der Lage, ganz fix lebensechte Pflanzenmodelle in unterschiedlichem Alter zu berechnen. Diese Fähigkeit verdankt sie ihrer "Wachstumsmaschine", einer 4D-Technologie auf der Basis umfassender botanischer Messungen und mathematischer Regeln. Landschaftsorientierte GIS kombinieren viele Schichten von Raumdaten, etwa digitale Geländemodelle (DGM), Bewuchs und andere Informationen.
Imagis, die im Rahmen des Projekts entwickelte Schnittstelle zur "Verfahrensmodellierung", verbindet diese beiden Anwendungen und nutzt sie als Grundlage für ihre völlig neuartige Fähigkeit, "Stadtgefüge" zu beschreiben. "Ein Stadtgefüge ist ein Patchwork aus einzelnen Flecken Land, Gebäuden, Straßen und Vegetation, das sich logisch gemäß den in speziellen Verfahren festgelegten Planungsregeln zusammensetzt", erklärt Perrin.
Imagis Fähigkeit, 3D-Ansichten von Stadtlandschaften zu erstellen, ist einmalig. Seine integrierten Features ermöglichen es, die Modellierung von Landschaftsszenarien in den sich wiederholenden Planungs- und Entwicklungsprozess einzubeziehen. Wichtig ist auch, dass dieses Tool in den Planungsausschüssen die Kommunikation erleichtert zwischen den Planungsexperten und den gewählten Entscheidungsträgern, denen es häufig schwer fällt, sich anhand von GIS-Daten in zweidimensionaler Form ein konkretes Bild zu machen.Alle drei Pilotprojekte endeten erfolgreich. Milan Polytechnic zum Beispiel hat eine Reihe von Bildern der Landschaft Etruriens
von der neolithischen Periode bis zur Gegenwart entwickelt, die derzeit bei der Suche nach unentdeckten alten Siedlungen benutzt werden.
Für Imagis Zukunft hat sich das Konsortium für eine Doppelstrategie entschieden. Kurzfristig wird ein Benutzerclub gebildet, um weitere Innovationen voranzutreiben. Perrin betont, wie sehr die Partner sich bemühen, neue "Mitarbeiter" zu gewinnen. Sie machen ihre Ergebnisse durch Konferenzen, Artikel und die äußerst attraktiv gestaltete Website des Projekts bekannt. "Wir wollen neue Partner aus der Industrie und Forschung anziehen, die das Interesse und die Mittel haben, Imagis zu testen und weiterzuentwickeln", sagt er.
Auf mittlere Sicht soll Imagis natürlich auch auf den Markt kommen. Dazu sucht CIRAD für das Imago Metropolis Konsortium Partner aus dem Privatsektor. Einige Unternehmen haben bereits Interesse bekundet, und nun geht es darum, die Mittel für die erste Phase zu beschaffen.“
Weitere Möglichkeiten, sich an den europäischen Forschungsprojekten zu beteiligen, bietet das 6. Forschungsrahmenprogramm, insbesondere mit den thematischen Prioritäten 1.1.2. Technologien für die Informationsgesellschaft, 1.1.4. Luft- und Raumfahrt, 1.1.6 Nachhaltige Entwicklung, Globale Veränderungen und Ökosysteme und 1.1.7. Bürger und Modernes Regieren in der Wissensgesellschaft.

In Vorbereitung auf die ersten Aufrufe im 6. Rahmenprogramm sind bei der Europäischen Kommission 416 Interessenbekundungen (EOI - Expression of Interest) für Integrierte Projekte, darunter 41 aus Deutschland, und 165 EOI für Exzellenznetze, darunter 27 aus Deutschland, auf dem Gebiet der Geografischen Informationssysteme GIS eingegangen.
Die speziellen Informationen zu GIS in der EU einschließlich aktuelle Veranstaltungen finden Sie auf der INTERNET-Seite

EC GI & GIS Web Portal

Unter der Adresse:

http://www.ec-gis.org:8080/
wecgis/ecgis.dyn_wec_home.show

 

Tatjana Hebecker
IRC Sachsen in der AGIL
Tel:   0341 12 67 14 68
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Transferbrief Leipzig  3/2002

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