 Im Rahmen eines Innovationsprojekts des EU-Programms Innovation und
KMU des 5. Rahmenprogramms wurde eine Software entwickelt, die GIS-Datenbanken zu einem
leistungsstarken Modellierungs- und Visualisierungspaket verbindet und so den an
Stadtplanung mitwirkenden Experten und anderen einschlägigen Akteuren eine weit
effizientere Zusammenarbeit als bisher ermöglicht.
Für den Planungsprozess und die Präsentation von Informationen vor
Planungsausschüssen und der Öffentlichkeit benutzen die regionalen und kommunalen
Planungsbehörden in Europa besondere Geografische Informationssysteme (GIS).
Leider liefern die bestehenden GIS nur zweidimensionale Karten. Wenn kritische
Planungsentscheidungen anstehen oder bei einem bestimmten Projekt die Zustimmung der
Öffentlichkeit einzuholen ist, eignen sich dreidimensionale Bilder viel besser.
"Schön und gut, aber wie wird das in zehn oder zwanzig Jahren tatsächlich
aussehen?", ist eine Frage, die an Planungsentscheidungen beteiligte Laien
verständlicherweise gern stellen.
Die derzeit einzige Möglichkeit besteht darin, 3D-Bilder auf der Grundlage traditioneller
CAD-Modelle und Luftaufnahmen zu erzeugen - viel zu ineffizient, um rasch mögliche
Landschaftsszenarios zu erstellen.
Das Projekt Imago Metropolis ist einem zufälligen Treffen
von Fachleuten verschiedener Disziplinen entsprungen - ein typisches Phänomen im
Innovationsprozess. Laurent Perrin vom Stadtplanungsinstitut der Île de France (IAURIF)
führte eine Technologieerhebung über 3D-Visualisierungssoftware mit
Anwendungsmöglichkeiten für Stadtplanung durch. Er erinnert sich noch gut daran:
"Ich besuchte verschiedene Seminare, und auf einem wurde ich mit Forschern vom Centre
de Coopération Internationale en Recherche |
Agronomique pour le
Développement (CIRAD) bekannt gemacht."
Das CIRAD entwickelte seinerzeit AMAP, eine Gruppe äußerst leistungsstarker
Softwaretools zur Modellierung von Bepflanzungen und zur Simulation ihres Wachstums.
"Als sie ein Tool hinzufügten und Pflanzen und andere Dinge in eine
Landschaftsszenerie setzten, begann ich darüber nachzudenken, wie sich dies mit
umfangreichen GIS-Datensätzen verbinden ließe", erinnert sich Perrin. "Als
Ergänzung des Konsortiums für das Innovationsprojekt wählten wir Partner mit technisch
unterschiedlichen Bedürfnissen. Eurosense brauchte ein ziemlich detailliertes Modell
eines Flusstals, in dem sein Kunde eine elektrische Hochspannungsleitung zu bauen hatte,
während Milan Polytechnic daran interessiert war, zu Forschungs- und Informationszwecken
archäologische Landschaften zu rekonstruieren."
3D- und 4D-Entscheidungen
AMAP ist in der Lage, ganz fix lebensechte Pflanzenmodelle in unterschiedlichem Alter zu
berechnen. Diese Fähigkeit verdankt sie ihrer "Wachstumsmaschine", einer
4D-Technologie auf der Basis umfassender botanischer Messungen und mathematischer Regeln.
Landschaftsorientierte GIS kombinieren viele Schichten von Raumdaten, etwa digitale
Geländemodelle (DGM), Bewuchs und andere Informationen.
Imagis, die im Rahmen des Projekts entwickelte Schnittstelle zur
"Verfahrensmodellierung", verbindet diese beiden Anwendungen und nutzt sie als
Grundlage für ihre völlig neuartige Fähigkeit, "Stadtgefüge" zu beschreiben.
"Ein Stadtgefüge ist ein Patchwork aus einzelnen Flecken Land, Gebäuden, Straßen
und Vegetation, das sich logisch gemäß den in speziellen Verfahren festgelegten
Planungsregeln zusammensetzt", erklärt Perrin.
Imagis Fähigkeit, 3D-Ansichten von Stadtlandschaften zu erstellen, ist einmalig. Seine
integrierten Features ermöglichen es, die Modellierung von Landschaftsszenarien in den
sich wiederholenden Planungs- und Entwicklungsprozess einzubeziehen. Wichtig ist auch,
dass dieses Tool in den Planungsausschüssen die Kommunikation erleichtert zwischen den
Planungsexperten und den gewählten Entscheidungsträgern, denen es häufig schwer fällt,
sich anhand von GIS-Daten in zweidimensionaler Form ein konkretes Bild zu machen.Alle drei
Pilotprojekte endeten erfolgreich. Milan Polytechnic zum Beispiel hat eine Reihe von
Bildern der Landschaft Etruriens |
von der neolithischen Periode bis
zur Gegenwart entwickelt, die derzeit bei der Suche nach unentdeckten alten Siedlungen
benutzt werden.
Für Imagis Zukunft hat sich das Konsortium für eine Doppelstrategie entschieden.
Kurzfristig wird ein Benutzerclub gebildet, um weitere Innovationen voranzutreiben. Perrin
betont, wie sehr die Partner sich bemühen, neue "Mitarbeiter" zu gewinnen. Sie
machen ihre Ergebnisse durch Konferenzen, Artikel und die äußerst attraktiv gestaltete
Website des Projekts bekannt. "Wir wollen neue Partner aus der Industrie und
Forschung anziehen, die das Interesse und die Mittel haben, Imagis zu testen und
weiterzuentwickeln", sagt er.
Auf mittlere Sicht soll Imagis natürlich auch auf den Markt kommen. Dazu sucht CIRAD für
das Imago Metropolis Konsortium Partner aus dem Privatsektor. Einige Unternehmen haben
bereits Interesse bekundet, und nun geht es darum, die Mittel für die erste Phase zu
beschaffen.
Weitere Möglichkeiten, sich an den europäischen Forschungsprojekten zu beteiligen,
bietet das 6. Forschungsrahmenprogramm, insbesondere mit den thematischen Prioritäten
1.1.2. Technologien für die Informationsgesellschaft, 1.1.4. Luft- und Raumfahrt, 1.1.6
Nachhaltige Entwicklung, Globale Veränderungen und Ökosysteme und 1.1.7. Bürger und
Modernes Regieren in der Wissensgesellschaft.
In Vorbereitung auf die ersten Aufrufe im 6. Rahmenprogramm sind bei der Europäischen
Kommission 416 Interessenbekundungen (EOI - Expression of Interest) für Integrierte
Projekte, darunter 41 aus Deutschland, und 165 EOI für Exzellenznetze, darunter 27 aus
Deutschland, auf dem Gebiet der Geografischen Informationssysteme GIS eingegangen.
Die speziellen Informationen zu GIS in der EU einschließlich aktuelle Veranstaltungen
finden Sie auf der INTERNET-Seite
EC GI & GIS Web Portal Unter der Adresse:
http://www.ec-gis.org:8080/
wecgis/ecgis.dyn_wec_home.show
Tatjana Hebecker
IRC Sachsen in der AGIL
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