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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
Lebenselixier Wasser LOGO_A4_RGBkurzneu.jpg (3625 Byte)
Ob als Oberflächenwasser in Meeren, Flüssen und Seen oder als Grundwasser – Wasser ist eine über-lebenswichtige Ressource für Pflanze, Tier und Mensch. Trinkwasser wird weltweit knapper und ist häufig gesundheitlich bedenklich. Allein fünf Millionen Menschen sterben jährlich durch verunreinigtes Trinkwasser!
Weltweit steht die Wissenschaft vor der großen Herausforderung, moderne Sanierungs- und Managementkonzepte zu entwickeln, die naturnah, nachhaltig, übertragbar und vor allem zu bezahlen sein müssen. Probleme bereiten dabei mehr und mehr diffuse Stoffeinträge sowie nicht sichtbare extrem toxische und hormonell wirksame Spurenstoffe.
Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle erarbeiten solche Konzepte in europa- oder weltweit vernetzten Wissenschaftlerteams – oft ausgehend von den regionalen Beispielen Ost-deutschlands – jedoch stets mit dem Anspruch der internationalen Übertragbarkeit auf ähnliche Prob-lemfälle.
In den Tagebaulandschaften des mittel- und ostdeutschen Raumes entsteht zurzeit eine Seenlandschaft mit etwa 120 neuen Seen, einige davon werden zu den 10 größten deutschen Seen gehören. Die Probleme bei der Flutung der Tagebaue können vielfältig sein: Neben Eutrophierung und Versalzung

Das Restloch 111 in der Lausitz enthält Wasser so sauer wie Essig. Durch Eisenverbindungen entsteht die Rotfärbung.

ist eines der Gravierendsten die potenzielle Versauerung etwa der Hälfte dieser Seen. Bei pH-Werten von 2 bis 3 wären sie weder wirtschaftlich noch für die Freizeitgestaltung nutzbar. Das UFZ erarbeitet deshalb Konzepte, die einerseits die Versauerung schon während des Flutungsprozesses – im Sinne der Vorsorge – verhindern und andererseits an Lösungen für bereits existierende stark saure Seen. Im Unterschied zu herkömmlichen Sanierungsverfahren durch chemische Neutralisierung, setzen die Wissenschaftler auf ein kostengünstiges, einfach zu handhabendes und naturnahes „sanftes“ Verfahren. Dabei werden solche natürlichen, säureverbrauchenden Prozesse im See angeregt, die auf der Leistung von natürlich vorkommenden Mikroorganismen basieren. Anwendung könnte das Verfahren in Polen, Kanada oder Spanien finden, Länder, die ähnliche Probleme zu bewältigen haben.

In den vergangenen Jahren ist die Wasserqualität vieler deutscher Flüsse aufgrund großer Anstregungen bei der Verminderung siedlungsbedingter Einträge sichtbar besser geworden; nach wie vor bestehen jedoch zu hohe diffusen Belastungen insbesondere aus dem Bereich der Landwirtschaft. Großen Hand-lungs- und Forschungsbedarf gibt es zudem in Bezug auf die nicht sichtbaren, „okkulten“ Verschmutzungen. Ökotoxikologen des UFZ beschäftigen sich bspw. mit der Frage, wie extrem toxische oder hormonell wirksame Spurenstoffe, Bakterien oder Viren eliminiert werden können, ein Thema, das mit dem 11. September 2001 eine zusätzliche Dringlichkeit bekommen hat und von potenzieller Sicherheitsrele-vanz für viele Staaten der Erde ist.
Die Flussforschung am UFZ geht jedoch weit über die Betrachtung der eigentlichen Fließgewässer hinaus und bezieht Einzugsgebiete und Flussauen in ihre Betrachtungen ein. Ziel sind ganzheitliche Konzepte und Managementsysteme zur deren dauerhaft umweltgerechten Nutzung, wie sie das neue europäische Wasserrecht fordert. Extremereignisse, wie das Hochwasser dieses Jahres, bekräftigen diese Herangehensweise.
Keiner sieht es, niemand hört es – vielleicht ging man deshalb Langezeit wenig sorgsam um mit diesem riesigen Wasserreservoir, das für Natur und Mensch so lebensnotwendig ist. Seit einigen Jahren nun beschäftigt man


Für das Flussforschungsschiff UFZ, die Albis, sind geringe Wassertiefen und Probenahmen in Buhnenfeldern von Elbe und Saale kein Problem

sich intensiver als je zuvor mit seinem Schutz und kämpft an vielen Orten der Welt gegen die Sünden vergangener Jahrzehnte. Beispiel Bitterfeld. 200 Millionen Kubikmeter stark verunreinigtes Grundwasser befinden sich unter der ehemaligen Chemiestadt. Die Ursache sind Altlasten und Schadensfälle, viele davon schon entstanden bevor man die DDR kannte! Ein Fall für das UFZ und Wissenschaftlerteams aus ganz Europa. Gesucht wird eine innovative Sanierungstechnologie, die direkt im Grundwasser – in situ – ansetzt und über den Modellstandort Bitterfeld hinaus anwendbar ist. In dieser Dimension ist das Projekt absolutes Forschungsneuland.
Die am UFZ für viele Schadensfälle entwickelten sanften, naturnahen Sanierungsverfahren, setzen auf die Aktivierung des natürlichen Selbstreinigungspotenzials. Werden für die Mikroorganismen, die überall in Böden und Gewässern vorhanden sind, geeignete Bedingungen geschaffen, so sind sie in der Lage, fast alle Schadstoffe abzubauen. UFZ -Wissenschaftler untersuchen in diesem Zusammenhang auch neue Aspekte des Einsatzes von Pflanzenkläranlagen, insbesondere im Hinblick auf ihr keimminderndes Po-tenzial und die Fähigkeit Schwermetalle aus belastetem Abwasser zu beseitigen. Die Verfahren werden insbesondere auf ihren Einsatz in Entwicklungs- und Schwellenländern geprüft und z.T. mit ihnen gemeinsam entwickelt.

Susanne Hufe
UFZ - Umweltforschungszentrum
Leipzig - Halle GmbH
Permoserstraße 15
04318  Leipzig
Tel: 0341 2352278
Fax: 0341 2352649
www.ufz.de

Transferbrief Leipzig 3/2002 

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