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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig

Laser lenkt Nervenwachstum
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Folge dem Licht. Eine deutschameri-kanische Forschergruppe um Professor Josef Käs am Institut für Experimentelle Physik l der Universität Leipzig ist es erstmals gelungen, das Wachstum von Nervenzellen per Laserstrahl zu steuern. Die Technik könnte in der Medizin und bei der Herstellung biologischer Elektronik-bausteine Anwendung finden. Einmal getrennt - nie wieder vereint. Wenn die Verbindung zwischen Neuronen des Zentralnervensystems einmal unterbrochen worden ist, gibt es bisher keine Möglichkeit, die Verletzung zu reparieren. Die Durchtrennung der Nervenstränge im Rückenmark etwa hat eine lebenslange Querschnittslähmung zur Folge. Zwar ist der natürliche Mechanismus bei der ersten Verflechtung von Nervenzellen bekannt. Doch ist dieser Prozess so kompliziert und langwierig, dass Mediziner ihn weder reproduzieren noch zur Heilung einsetzen können. Ein erster Schritt zur Lösung des Problems ist den Wissenschaftlern um den Biophysiker Professor Käs nun auf Umwegen gelungen. Statt Nervenwachs-tum chemisch zu steuern, wurden neuronenartige Zellen zu beschleunigtem und gerichtetem Wachstum animiert. Dabei wird ein Laserstrahl von rund vier Mikrometern Durchmesser auf den Wachs-

stumskegel der Zelle gelenkt. Derart angeregt, kam es in der bestrahlten Region zu einer erhöhten Polymeri-sation von Aktin-Proteinen; im Zusam-menspiel mit so genannten Zellmoto-ren begannen daraufhin die Nervenen-den zu wachsen - und zwar in einer zehnmal höheren Geschwindigkeit als unter normalen Bedingungen. Und mit dem Laser ließ sich nicht nur das Wachstum der Nervenstränge, sondern auch dessen Richtung bestimmen.
Dazu justierten die Forscher den Laser so, dass nur der äußere Bereich des Lichtstrahls auf die Zelle traf. Der Zellfortsatz strebte daraufhin zum Punkt mit der höchsten Strahlungs-intensität. Indem die Wissenschaftler nun den Laser schrittweise verrückten, brachten sie den Fühler dazu, ihm zu folgen. Die Lichtleistung des Lasers war dabei so abgestimmt, dass das Wachstum sich auf den Bereich der so genannten Lamellipodien an der Spitze des Wachstumskegels konzentrierte.
Früher hatte man versucht, durch mechanisches Ziehen an einer Nerven-zelle deren Wachstum auszulösen. Für das Neuron ist dieses grobe Verfahren nur schlecht verträglich. Im Hirn  am  lebenden  Menschen  etw

des Lasers hingegen wäre relativ leicht am offenen Schädel oder im Rückenmark einzusetzen, um dort gegebenenfalls Neuro-nen zu neuem oder beschleunigtem Wachs-tum zu verhelfen.
In den nächsten Versuchsreihen wollen die Forscher herausfinden, ob sich der Nerven-fortsatz zu einem anderen Neuron locken lässt und mit diesem womöglich eine Verbindung eingeht. Wenn das gelingt, dann besteht tatsächlich Hoffnung auf die Wiederherstellung eines geschädigten Ner-vennetzes.
Vorstellbar sind aber auch anderen Anwendungen. So könnte die Methode zur Herstellung von Schaltkreisen aus Nerven-zellen und Elektronikbausteinen eingesetzt werden. Auch in der Neurochirurgie sind Anwendungen denkbar.



Prof. Dr. Josef A. Käs
Universität Leipzig
Institut für Experimentelle Physik l
Linnestraße 5
04103 Leipzig
Telefon: (0341)9732470
Telefax: (0341)9732479
e-mail: jkaes@physik.uni-leipzig.de
www. uni-leipzig. de/~pwm

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Transferbrief Leipzig 3/2003