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Die Ernährungswirtschaft in Sachsen hat einelange Tradition und bildet
mit mehr als 300kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) und
Betrieben und über 24000 Beschäftigten in den Teilbranchen
Getränkeindustrie, Getrei-deverarbeitung, Milch und Fett,
Fisch-verarbeitung, Fleischwarenindustrie, Zuckerindustrie, Süßwaren und
Dauer-backwaren, Obst-, Gemüse- und kartoffelverarbeitende Industrie und
Tabakverarbeitung einen wichtigen Wirtschaftsfaktor des Landes Sachsen.
Bekannte Firmen wie Wernersgrüner Brauerei AG, Bad Brambacher
Mineralquellen GmbH & Co. KG, Obstland Dürrweitzschen AG und Teigwaren
Riesa GmbH wirken für die sächsische Ernährungswirtschafteuropa- und
weltweit. Um die Kommunikation und Zusammenarbeit untereinander und
innerhalb der Branche zu stärken und die Zukunft der Ernährungsindustrie
nach-haltig mitzugestalten, sind folgende Aufgaben in naher Zukunft zu
lösen:
• Verbesserung von Rahmenbedingungen
und Strukturen mit dem Ziel, Arbeits-
plätze zu sichern und zu schaffen und
die Wettbewerbsfähigkeit der
Ernährungswirtschaft im nationalen und
internatio-nalen Vergleich zu erhalten.
• Planung, Organisation und
Durchführung von Fach-, Qualifikations-
und Informationsveranstaltungen unter
besonderer Berücksichtigung kleiner
und mittelständischer Unternehmen. |
• Förderung des
Gedankenaustausches
und der Zusammenarbeit bezüglich
technologisch und ernährungswirt-
schaftlich bedeutsamer Erkenntnisse
und Entwicklungen durch eine gezielte
und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit
und Gesprächskreise.
• Stärkung des Transfers zwischen
Wissenschaft und Wirtschaft durch
Förderung von Kooperation und
Kommunikation von Wissenschaft,
Ernährungswirtschaft und der
Verwaltung in Sachsen.
• Beratung und Mitarbeit zur Abklärung
wirtschaftlicher, technologischer,
struktureller und ernährungswirtschaft-
lich relevanter Fragestellungen für
nichtkommerzielle Institutionen und
öffentliche Einrichtungen.
• Initiieren und Begleiten von
Innovationen, insbesondere durch
Aufzeigen von Wegen bei der
Entwicklung von Produkten, deren
Markteinführung und der Kapitalbe-
schaffung, um den Wissens- und know-
how-Transfer zu beschleunigen.
• Beratung und Vermittlung von
geeigneten Ansprechpartnern für
Unternehmen der Ernährungswirtschaft
und deren Beschäftigten bei
Veränderungs- und/oder Innovations-
prozessen.
In der gesellschaftlichen Debatte um den Einsatz der Biotechnologie und
Gentechnik auf dem Nahrungs-mittelsektor konzentrieren sich die meisten
Argumente auf gentechnisch veränderte Pflanzen und ihre
Verarbeitungsprodukte in Lebensmitteln. Einen weit größeren Anteil an
der modernen Lebensmittelherstellung haben jedoch die Enzyme und
Zusatzstoffe, was in der Bevölkerung wenig bekannt ist. Auch in der
Lebensmittelkontrolle haben erst die Methoden der Gentechnik sowohl eine
sehr frühe Erkennung von Krankheitserregern als auch den Nachweis
gentechnisch veränderter Nahrungsmittel als Grundlage für eine
Kennzeichnung ermöglicht. Gegenüber chemischen Produktionsprozessen
zeichnen sich Enzyme dadurch aus, dass sie bei gemäßigten pH-Werten,
Temperaturen und Druckverhältnissen mit hoher Umsatzrate und Genauigkeit
komplexe Reaktionen ermöglichen. Die technische Verwendung von Enzy-
men bietet daher erhebliche Vorteile gegenüber chemischen oder
physika-lischen Produktionsprozessen. In der
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Ernährungswirtschaft
dienen Enzyme schon seit vielen Jahren einer schonenden und Wert
erhaltenden Nahrungs-mittelverarbeitung. Sie werden in z.B. in der
Backindustrie,im Brauereiwesen oder in der Ölverarbeitung in großem
Maßstab verwendet und sind aufgrund nachfol-gender Verarbeitungsschritte
im End-produkt meist nicht mehr vorhanden. Die Gewinnung von Enzymen
erfolgt überwie-gend biotechnologisch aus natürlich vorkommenden
Mikroorganismen, die in der lebensmitteltechnischen Praxis seit
langerzeit zum Einsatz kommen und aufgrund umfangreicher Erfahrungen als
sicher und unbedenklich gelten können. Die Vorteile einer
wirtschaftlichen und um weltfreundlichen »Natursynthese« ergeben sich
nicht nur durch die bio- und gentechnologische Produktion von Enzymen,
sondern auch von Lebens-mittelzusatzstoffen, zu denen beispiels-weise
Vitamine, Aromen, Süßstoffe, Emulgatoren, Verdickungsmittel etc.
gehören. Eines der erfolgreichsten Bei-spiele für gentechnisch erzeugte
Zusatzstoffe ist das Vitamin C. Es dient der großtechnischen
Vitaminisierung zahl-reicher Lebensmittel, findet aber auch als
Hilfsstoff (»Ascorbinsäure«) in der Back- und Fleischwarenindustrie
Anwendung. Mehr als ein Viertel unserer Lebensrnittel - z. B. Joghurt,
Sauergemüse, Rohwürste, Bier, Wein, Brot usw. - werden mit Hilfe von
Milchsäurebakterien und Hefen herge-stellt. Schimmelpilze sind
unverzichtbar für die Reifung und Geschmacks-entwicklung von Käsesorten
wie z.B. dem Camembert. Bio- und gentechnologische Verfahren sind seit
langem Standard in der modernen Lebensmittelverarbeitung und ermöglichen
zukünftig die Erzeugung gesundheitsfördernder Nahrungsmittel. Erkennbare
Vorteile dieser Verfahren dürfen aber eine klare
Lebens-mittelkennzeichnung im Sinne umfassen-der Verbraucherinformation
nicht aus-schließen. Eine Reihe Förderrichtlinien und Fachinformationen
des Sächsischen Staatsministeriums füR Umwelt und Landwirtschaft
unterstützen die Be-mühungen der KMU nach Verbesserung der
Verarbeitungs- und Vermarktungs-strukturen in der Land- und
Ernährungswirtschaft.

Klaus-Dieter Commichau
Geschäftsführer der AGIL GmbH Leipzig |