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   Wirtschaft und Wissenschaft

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   Transferbrief Leipzig
Milch in Kannen, Butter im Fass, Eier im Korb?
Ausbildung und Forschungsaktivitäten in der Studienrichtung Verpackungstechnik

Kaum einer kann sich in unserer Gesellschaft noch vorstellen, dass Milch in Kannen, Butter im Fass und Eier im Korb transportiert, gelagert und verkauft wurden. An ein Leben ohne wieder-verschließbare Verpackungen mit hervorragenden Schutzeigenschaften, die die Haltbarkeit der Lebensmittel erheblich verlängern, ist heute nicht mehr zu denken. Hinter diesen Entwicklungen stehen kluge Köpfe, die eine entsprechende Ausbildung erfahren haben. Am Fachbereich Polygrafische Technik der HTWK Leipzig werden seit 1992 Studierende in der Studienrichtung Verpackungstechnik immatrikuliert. Waren es zu Anfang nur wenige junge Leute, die diese Studienrichtung gewählt haben, sind mittlerweile zwischen 20 und 30 Studienanfänger zu verzeichnen, die, gute Studienleistungen vorausgesetzt, bundesweit ein interessantes Betätigungsfeld in der Packmitte] herstellenden Industrie oder bei Pharma-, Kosmetik- und insbesondere in der Lebensmittelindustrie finden. Voraus-setzung dafür ist ein auf soliden naturwissenschaftlichen Grundlagen aufbauendes praxisnahes Studium. Die Praxisnähe wird erreicht durch umfangreiche Laborpraktika, Exkursionen in Unternehmen der Branche und Projektarbeiten, die von Aufgaben-stellungen aus der Industrie abgeleitet werden.
In den letzten vier bis fünf Jahren ist die Diskussion um die Verpackung von der stark emotionalen Ablehnung (»Verpackung ist Müll!« und »Wir werden eines Tages im eigenen Müll ersticken!«) in eine Normalität zurückgekehrt. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Den größten Beitrag zum Abbau des Negativimages der Verpackung hat das Duale System Deutschland und die damit initiierte Sammlung der gebrauchten Verpackungen geleistet. Gelegentlich flackern kritische Argumente auf, die im Zusammenhang mit dem Zwangspfand stehen. Hier ist dem Normalverbraucher nicht bewusst, dass er die Situation durch sein Kaufverhalten nicht unwesentlich beeinflusst. Beim Vergleich der aktuell eingesetzten Verkaufs-verpackungen, Sammelverpackungen und auch der Transportverpackungen zu den Verpackungen, die vor fünf bis acht Jahren im Markt waren, kann festgestellt werden, dass der sparsame Umgang mit dem Material und vor allem bei der Veredelung rückläufig ist. Dort darf es


Abb. 1 Laborsiegelgerätn

schon wieder etwas mehr sein. Das ist möglich, weil es gelungen ist, für die Verpackungen  Stoffkreisläufe  weitest-gehend zu schließen. In den nach-folgenden Abschnitten wird ausgehend von allgemeinen Gestaltungsaspekten eine Auseinandersetzung mit den Zielen der Verordnung über die Vermeidung von Verpackungsabfällen (WO) aus dem Jahre 1991 vorgenommen. Diese Aus-einandersetzung wird bewusst geführt, auch wenn sich die Ziele im Rahmen der Novellierungen etwas geändert haben. »Abfälle aus Verpackungen sind dadurch zu vermeiden, dass Verpackungen nach Volumen und Gewicht auf das zu Schutz des Füllgutes und auf das zur Vermarktung unmittelbar notwendige Maß beschränkt werden«. Dieses abfallwirtschaftliche Ziel aus dem Text der ersten WO (Verordnung über die Vermeidung von Verpackungsabfällen vom 12. Juni 1991. (BGBI. l S. 1234), die novelliert wurde, wird nachfolgend diskutiert. Es werden Möglichkeiten und Grenzen aufgelistet. Das Potential zur Verringerung von Verpackungsabfällen durch Vermeidung, sprich Weglassen von Verpackungen, ist stark eingeschränkt. Mit der bereits zitierten Passage aus der Alten Verpackungsverordnung wurde ver- sucht, dem Verpackungsgestalter Gren-zen aufzuzwingen. In erster Konsequenz sind eine ganze Reihe von Umver-packungen vom Markt verschwunden. Dazu gehörten vor allem Faltschachteln, die  zusätzlich  um  Tuben  oder  andere

Primärverpackungen gegeben wurden. Ansätze, auf die Schachteln auch im Pharmabereich durch entsprechende Plat-zierung des Beipackzettels zu verzichten, sind in einzelnen, sicher interessanten Lösungen stecken geblieben. Der Beipack-zettel ist Bestandteil des Medikaments und muss gemäß Arzneimittelgesetz mitgeliefert werden.
In den letzten Jahren hat der Trend zu Falt- schachteln als Umverpackung wieder-eingesetzt. Während im hochpreisigen Kosmetiksegment auf die Schachtel als Umverpackung nie verzichtet wurde, werden auch die preiswerteren Kosmetika deutlich hochwertiger verpackt. Ebenso werden eine Reihe von Nahrungsmitteln, die im Beutel verpackt sind, anschließend in eine Schachtel gegeben. Die Gründe dafür sind vor allem im verstärkten Wettbewerb und der Erhöhung der Werbewirksamkeit durch entsprechende Gestaltung der Schachteln am POS zu suchen.
Im Bereich der Transportverpackung sind je nach Distributionsart Einsparungspotenti-ale durch entsprechende Gestaltung bzw. Packstoffauswahl gegeben. Aber auch hier wird sehr oft zur Vermeidung von Waren-schäden aufgrund von mechanischen Belastungen und Verschmutzung bei unsachgemäßem Umgang der Einsatz von Packmitteln und Packhilfsmitteln nicht optimiert. Den Möglichkeiten der Minimie-rung des Packmitteleinsatzes steht eine Heterogenität der Distribution entgegen.

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